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Kindergarten-Regierung

Es war einmal ein kleines Bundesland, das hat gewählt und dann konnte man sich erst nicht für einen Chef entscheiden und beim dritten Anlauf hats geklappt. Bei der Wahl wurden auch einige Menschen von der „Bösen Partei“ gewählt. Die werden von den anderen Parteien gemobbt, weil die etwas fragwürdige Ansichten und Einstellungen haben. Es gab immer wieder Bemühungen, die „Böse Partei“ zu verbieten, aber dafür ist sie nicht böse genug. Deshalb darf sie bleiben.

Nun wurde der Chef ganz ganz knapp gewählt, unter anderem hat er wohl auch die Stimmen der Menschen von der „Bösen Partei“ bekommen. Und deshalb soll der neugewählte Chef jetzt zurücktreten. Was er inzwischen sogar gemacht hat. Weil er halt auch von den „Bösen“ gewählt worden ist. Das mit der Demokratie haben die Menschen von den anderen Parteien offenbar nicht verstanden.

Dafür spricht auch, dass einer von den anderen Parteien sich öffentlich hinstellt und einen von der „Bösen Partei“ ganz schlimm beschimpft. Das ist ganz schön gemein und beleidigend und wenn ich dem seine Mama wär, tät ich mich erstens in Grund und Boden schämen und zweitens meinem missratenen Sohn gehörig den Hintern versohlen.

Überhaupt ist das ein ziemlicher Kindergarten in den Regierungen in unserem schönen Land. Angefangen hat es, als die „Böse Partei“ es sogar in den Bundestag geschafft hat. Wie der Alterspräsident ermittelt werden sollte – das ist eben immer der älteste – war das nun gerade einer von der „Bösen Partei“. Das haben aber die Menschen von den anderen Parteien nicht gewollt. Weil die wollen ja nicht mit denen spielen. Weil die sind ja blöd. Und deshalb haben sie das gemacht, was kleine verzogene Kinder halt so machen: Sie haben mal schnell die Regeln geändert: Nicht der Älteste, sondern der DienstÄlteste soll jetzt der Alterspräsident sein. Damit war das Problem supi gelöst.

Meine Generation hat im Kindergarten gelernt, dass man die Regeln nicht einfach so ändern kann, wenn einem was nicht passt. Regeln sind dafür gemacht, dass sie eingehalten werden. Schade, dass die Menschen, die uns regieren, das nicht gelernt haben.

Ich habe auch schon einige Male mitbekommen, dass einer von der „Bösen Partei“ einen Vorschlag gemacht hat zu irgendeinem Thema. Da haben alle von den anderen Parteien gesagt: Nee, das wollen wir nicht, weil du bist ja einer von den Bösen. Von dir nehmen wir keine Vorschläge an.
Etwas später hat einer von den anderen Parteien genau den selben Vorschlag gemacht und da haben die alle gesagt: Oh was für eine tolle Idee, genau so machen wir es.

Das ist ganz schön gemein von denen, dass die die Leute von der „Bösen Partei“ nicht mitspielen lassen. Immerhin sind die genauso wie die anderen auch gewählt worden. Das mögen die anderen doof finden, aber so funktioniert die Demokratie. Das Volk hat gewählt. Und je arschiger die anderen sich gegenüber den „Bösen“ verhalten, umso mehr kann ich verstehen, dass die alten Parteien keiner wählen mag. Und sie nach Alternativen suchen.

Nicht das ein falscher Eindruck entsteht: Natürlich informiere ich mich vor den Wahlen und die „Böse Partei“ – sorry, geht gar nicht! (Wobei die anderen großen Parteien es mir auch nicht gerade leicht machen, sie wählen zu wollen…) Dass das so viele Menschen anders sehen und die gewählt haben, halte ich für äußerst bedenklich. Wie die alteingesessenen PolitikerInnen und Parteien darauf aber jetzt reagieren – Nee, Leute, echt jetzt? So ein Kindergartentheater führt ihr auf? Und ihr wollt unser Land regieren? Das ist das, was ich wirklich für bedenklich erachte.

Überall trifft man mal auf Menschen, die man nicht so gut ab kann, mit denen eine aber dennoch klar kommen muss. Dann isses wichtig, eine Möglichkeit zu finden, wie trotz aller Differenzen der Weg zusammen bewerkstelligt werden kann. Is doch eigentlich nicht so schwer, oder?

Oder wie mein Dad immer gesagt hat: Dennd schee schbölln! – Spielt schön miteinander! Bzw. in diesem Fall: Regiert unser Land, macht das, weswegen ihr gewählt wurdet.