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Jedes Feuerwerk ein Fest?!

Ich hoffe, ihr seit alle gut im neuen Jahr angekommen. Wie haltet ihr es denn an Silvester? Gibts ein großes Feuerwerk? Raketen oder Böller? Oder nur Wunderkerzen? Oder seit ihr am liebsten auf der ganz großen Party mit professionellem Feuerwerk?

Seit Jahren schon machen wir selber kein Feuerwerk mehr. Allerdings gehören die bunten Raketen für mich zum Jahreswechsel dazu. Also mit „aaah“ und „ooohhh“ in den Himmel guggen machen wir nach wie vor sehr gerne. Ein paar Minuten, dann isses auch wieder gut und wir kümmern uns lieber um die Kazis, die den Lärm und die grellen Lichter, die sich leider nicht komplett ausschließen lassen (nicht vor jedem Fenster gibt es ein Rollo), ziemlich blöd finden.

Heuer waren es erfreulich wenig Böller, insgesamt ging das Geballere und Gepfeife bis ca. 0.45 Uhr und dann war ziemlich schlagartig Ruhe. Wie wenn sich das ganze Dorf abgesprochen hätte. Das war in den Jahren zuvor schon ganz anders. Da gings auch mal bis zwei oder drei Uhr. Und es gab erheblich mehr Böller-Explosionen. Das Gekrache kann man nicht anders nennen.

Dennoch: An Silvester soll und darf es Feuerwerk geben. Das gehört dazu – wenn da gar nix wäre, wärs kein Silvester, sondern eine Nacht wie jede andere. Wie viel mensch verballert,  muss jedeR für sich selber entscheiden. Wenns weniger BUMM ist, freu ich mich drüber. :)

Natürlich ist es eine gigantische Umweltverschmutzung, da muss man nix schönreden. Die Luft ist verpestet, die Straßen und Plätze sind hinterher zugemüllt und für die Tiere ist es eine extreme Stresssituation. Daher kann ich die Diskussionen, die alle Jahre wieder aufs Neue auftauchen, sachlich absolut nachvollziehen. Nur leider finden die zur falschen Zeit statt. Finde ich.

Jedes Feuerwerk ein Fest! habe ich den Beitrag hier betitelt. Der Untertitel lautet: Jedes Fest ein Feuerwerk? Dort liegt meines Erachtens das eigentliche Problem.  Wir leben hier in einer Landschaft, die sich mehr und mehr zum Touri-Magnet mausert und gerade im Sommer eine Menge an Events zu bieten hat. Und da isses inzwischen so, dass gefühlt jede Woche auch ein Feuerwerk stattfindet.

Unsere Gegend ist ländlich strukturiert, mit vielen Dörfern und jedes einzelne hat natürlich eine Kirche und die meisten haben z.B. eine Freiwillige Feuerwehr und/oder einen Sportverein. Das wiederum bedeutet, es gibt in jedem Dorf jedes Jahr eine Kirchweih und mindestens ein weiteres Fest.

Einschub: Sowohl Freiwillige Feuerwehr als auch Sport- oder sonstige Vereine halte ich für geradezu existentielle Einrichtungen, ohne die ein Dorf praktisch gar nicht leben könnte! Wer noch Kapazitäten für gute Vorsätze frei hat: Meldet euch an, macht mit, seit dabei! Engagiert euch im Verein, in der Freiwilligen Feuerwehr oder was es bei euch entsprechendes gibt. Das meine ich völlig ernst und aufrichtig! Die nachfolgende Kritik richtet sich ausschließlich gegen das Überhandnehmen der Feuerwerke zwischen Januar und Dezember!

Da natürlich alle was vom großen Tourismus-Kuchen abhaben wollen, fühlt sich mittlerweile praktisch jedes Dorf gezwungen, aus der gemütlichen „Dorfkirba“ ein „Event“ zu machen. Nun ist der Platz mit Bierzelt, Kinderkarussell und Losbude vom Roten Kreuz aber meistens voll – nicht mal Autoscooter gibt es überall. Nix mit Achterbahn oder andern tollen Fahrgeschäften. Aber irgendwas muss man ja tun, um die Touris anzulocken. Und so ein Feuerwerk macht halt immer was her.

Genau hier wäre meiner Meinung nach die Diskussion wegen Umweltverschmutzung und Lärmbelästigung von Mensch und Tier an der richtige(re)n Stelle: Muss wirklich jede Ortschaft mit drei Häusern, Wirtshaus und Kirche mit einen Feuerwerk aufwarten? Bei größeren Städten lass ichs mir ja noch eingehen, wenn es einmal im Sommer ein zusätzliches (zu Silvester) Feuerwerk gibt. Aber eben auch nur eines. Und  nicht eines jede Woche. In jedem Dorf. An jedem Strand. In jedem Wirtshaus. An jedem Anleger. In jedem Verein. Und bei der einen oder anderen Hochzeit auch noch.

Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn man sich innerhalb eines Dorfes besser abstimmen und auf ein Feuerwerk einigen könnte. Heuer bei der Kirchweih, nächstes Jahr beim Feuerwehrfest. Die Angler, Radler, Camper und der Sportverein tun sich zusammen und schmeißen alle drei Jahre eine richtig große Party – ein Mega-Event, von dem dann alle etwas haben dürften. So wären reihum alle mal dran mit Feuerwerk und die Vereine können sich Kosten teilen. Dass diese dennoch jährlich ein kleines, traditionelles Fest veranstalten, da spricht ja nichts dagegen. Ganz im Gegenteil! So wäre die Brauchtumspflege schließlich gesichert, die bei all der Event-Heischerei  auszusterben droht.

Damit hätten am Ende alle gewonnen, allen voran die Natur, von der wir alle leben und wegen der ja auch die Touris kommen! Und wenn es in der Hochsaison gefühlt alle paar Tage ein Feuerwerk gibt, isses ja auch nix Besonderes mehr.

Vielleicht ergibt sich der eine oder andere Denkanstoß. Möglicherweise schließen sich auch ein paar benachbarte Dörfer zusammen zu einem „Event-Verbund“. Ich würde mich freuen, wenn das Feuerwerk wieder zu dem werden dürfte, was es doch eigentlich sein sollte: Etwas ganz außergewöhnliches, das es allerhöchstens (!) zweimal im Jahr zu bestaunen gibt. Inklusive Silvester.

Meine zwei Cents zum Thema. Und was meint ihr?

 

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OrganspenderIn / OrganempfängerIn

Das Thema Organspende bzw. SpenderIn werden ist aktuell wieder in aller Munde und ich bin für mich immer noch auf keinen grünen Zweig gekommen. Was ich definitiv weiß: Die Sache rumzudrehen und pauschal den Mensch als „Ersatzteillager“ zu betrachten – es sei denn, er/sie widerspricht dem aktiv – geht gar nicht. Da sträubt sich in mir alles! Eine Spende ist etwas, das von sich aus und freiwillig gegeben wird und eben nicht andersrum! Niemand hat das Recht, nach meinem Ableben meinen Körper bzw. Teile davon irgendwie weiterzuverwenden, wenn ich dem nicht vorher ausdrücklich zugestimmt habe. 

Und hier beginnt mein Problem – ein beidseitiges Problem, wenn man so will. Will ich, dass Teile meines Körpers irgendwo anders weiterleben? Kann ich „in Frieden ruhen“ wenn mein Herz andernorts weiterschlägt? Und wer weiß, die Leber in einem zweiten Körper, die Netzhaut in einem dritten … – ehrlich und ernsthaft: Für mich ist das eine sehr gruselige Vorstellung. Atheisten mögen das lächerlich finden – gut so, damit seit ihr ja prädestiniert als Organspender ;-) – ich allerdings finde auf diese Frage keine Antwort.

Das gilt selbstverständlich auch für die andere Seite: Bislang wird ja offenbar davon ausgegangen, dass jedeR automatisch auch OrganempfängerIn sein will. Will ich das? Will ich mit einem Stück eines fremden Körpers in mir leben? Was macht das mit mir? Und was bedeutet „leben“ in dem Zusammenhang überhaupt? Wieviel Qualität hat das Leben dann noch? Diese Frage kann vermutlich kaum beantwortet werden, weil das auf den konkreten Einzelfall ankommt. Welches Organ – Herz bedeutet z.B. Leben oder Tod. Niere bedeutet ggf. jeden zweiten Tag mehrere Stunden Dialyse oder eben keine Dialyse. Lebenszeit, die ich besser/anders verbringen kann.

Was heißt „Leben“, wenn man ein Spenderorgan erhalten hat? – Ein „genau wie vorher, als das eigene Organ noch gesund war“ ja wohl mit Sicherheit nicht. Zumeist müssen Medikamente genommen werden, die nicht ohne sind. So muss oftmals das Immunsystem „heruntergeschraubt“ werden, damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Heißt, buchstäblich überall lauert ein erhöhtes Infektionsrisiko, womit sich die Katze am Ende irgendwie selber in den Schwanz beißt – und  dabei geht es nicht um die Frage, ob man fortan vier- statt bislang zweimal im Jahr einen Schnupfen hat. Von den sonstigen Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen wie z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, etc. ganz zu schweigen. Wie viel Lebensqualität tauscht man ein gegen Lebensquantität? Wenn einem das Essen nicht mehr schmeckt bzw. bestimmte Lebensmittel gar nicht mehr gegessen werden dürfen?

Und wie lange „hält“ so ein Organ? Die besten Chancen hat man wohl noch beim Herzen – wenn es das erste Jahr überstanden hat, kann man optimistisch in die Zukunft blicken. Bei anderen Organen ist das zweite Leben nicht sehr dauerhaft.

Die psychischen Auswirkungen kommen noch obendrauf. Das „alte“ Leben ist definitiv Vergangenheit, wenn man durch ein Spenderorgan ein „neues“ Leben geschenkt bekommt. Ich will hier keinerlei Pro- oder Contra-Stimmung vermitteln, sondern teile meine Gedanken mit euch, eben weil ich selber nicht sagen kann, wie ich zu dem Thema stehe: Ich weiß es nicht!

Aus diesem Grund gibt es auch keine weiterführenden Links von mir, nur der Hinweis, doch mal nach „Leben mit Spenderorgan“ zu suchen und jene zu Wort kommen lassen, die wissen, was das bedeutet. Was man gewinnt, was man verliert. Trotz aller Nachteile, die das „neue“ Leben vermutlich mit sich bringt, werden die wenigsten OrganempfängerInnen diesen Schritt bereuen. Oder?

Um das Problem von Angebot und Nachfrage zu verringern, wäre es eine gute Möglichkeit, aus dem OrganSPENDEausweis einen OrganEMPFÄNGER*INausweis zu machen. Sprich: Nur wer OrganspenderIn ist, darf auch selber eins bekommen. Wer also kein fremdes Organ erhalten möchte, könnte mit dieser Regelung ganz entspannt sein. Die Wartelisten werden automatisch kürzer. Als Faustregel kann gelten, dass man mindestens ein Jahr lang gemeldet sein muss, bevor man selber EmpfängerIn werden kann – im Krankenhaus noch schnell den Antrag stellen, wäre ja witzlos. Es geht immerhin – finde ich! – ja auch darum, sich vorher mit dem Thema auseinander zu setzen, heraus zu finden, wie man dazu steht. Und dann halt auch ggf. den Ausweis zu beantragen.

Für Kinder sollten das die Eltern machen, am besten gleich im Zusammenhang mit den Nachuntersuchungen (innerhalb des ersten Lebensjahres oder so sind die, richtig?). Und/oder wenn das Kind in den Kindergarten und/oder in die Schule kommt. Es spricht ja gar nichts dagegen, wenn man immer wieder auf das Thema angesprochen wird!

Wenn das „Kind“ dann seinen eigenen Personalausweis beantragt und/oder wenn es den Führerschein macht und/oder zum 18. Geburtstag wird es selber gefragt, ob es diesen Ausweis haben will oder nicht. Spätestens mit der Volljährigkeit wird der „Kinderausweis“ ungültig und der/die junge Erwachsene muss aktiv werden, wenn er oder sie Organ-EmpfängerIn und somit auch Organ-SpenderIn werden will.

Das fände ich eine gute Lösung. Das Problem, dass jemand „versehentlich“ ein Fremdorgan erhält, der oder die das gar nicht möchte, ist eher ein theoretisches, da dies ja keine Operation ist, die „mal schnell“ in der Notaufnahme vonstatten geht. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass jeder Mensch für sich entscheiden muss: Will ich im Fall des Falles ein Fremdorgan erhalten? Wer diese Frage mit „ja“ beantwortet, ist damit automatisch auch OrganspenderIn – fair ist fair.

Wie steht ihr zu dem Thema? Habt ihr ein Organ erhalten und wollt davon erzählen? Ich betone nochmals: Ich mache mir hier meine (wirren) Gedanken, weil ich noch immer nicht weiß, wie ich dazu stehe. Viel zu viele Faktoren spielen eine Rolle. Daher freue ich mich über jeden Kommentar. Und ich hoffe, dass ich dich – genau dich! – anstupsen konnte, dich mit dem Thema zu beschäftigten. Was es für dich bedeutet. Dann habe ich immerhin etwas erreicht! :)