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Überwurf: Schachtel-Upcycling

Aus einer einfachen Schachtel lässt sich ganz leicht ein Hingugger zaubern:

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So ein Überwurf ist schnell genäht; entstanden ist die Idee beim Nähen der Doseninnenkleidchen. Das ist nicht viel anders, nur dass die Höhe doppelt gemessen und nach außen etwas verbreitert wird, damit sich die Hülle gut umschlagen lässt. In der Schema-Zeichnung sieht das so aus:

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Wichtig ist bei dieser Darstellung, dass „Umschlag außen“ genauso hoch ist wie die „Höhe“ und nach außen beidseitig breiter wird. Dazu auf jeder Kantenseite einzwei Zentimeter draufschlagen, je nach Größe der Schachtel.

Der Stoff kann aus einem Stück zugeschnitten werden; Nahtzugaben für die Seitennähte (grüne Linien) und dem äußeren Saum (gelbe Linien) müssen noch draufgeschlagen werden.

Die vier Seiten jeweils zusammennähen und versäubern, den Umschlag versäumen und schon ist der Überwurf fertig. Natürlich können auch Einzelteile genäht werden, wenn z.B. der Boden andersfarbig als die Wände werden soll. Dann natürlich weitere Nahtzugaben einberechnen.

Im Bild ganz oben hab ich den Überwurf aus Fitzelpatch genäht; dazu gibt es bereits einen Beitrag. Viel Spaß beim Nachnähen!

 

Dosenkleid nähen

Was ist jetzt schon wieder ein Dosenkleid? Genauer gesagt: Ein Doseninnenkleid! Das kommt in eine Keksdose und dorthinein dann erst die Kekse. Warum? Zum Einen muss die Dose nach Gebrauch nur kurz abgewischt werden (gut trocknen lassen!). Zum Anderen gibts vielleicht die eine oder andere Dose, die schon ein paar Roststellen hat, da ist das einfach angenehmer, hygienischer, wenn die Kekse nicht direkt damit in Kontakt kommen. Klar, man kann auch einfach eine Serviette o.ä. reinlegen – man kann es aber auch passend machen:

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Hier ist eins für eine kleinere Dose, da lassen sich gut Stoffreste verwenden. Wichtig ist, dass Baumwollstoffe genommen werden, da die auf 60 Grad gewaschen werden können.

Für den Zuschnitt mache ich mir eine Schablone aus Karton in der Größe des Bodens incl. 1-1,5 cm Nahtzugabe. Den Durchmesser notier ich drauf, ebenso, für welche Dose er passt. Alle weiteren Angaben schreib ich ebenfalls drauf, dann hab ich alles zusammen.

Die Höhe messe ich, indem ich ein Lineal von außen an die Dose ranstelle. Somit ist die untere Nahtzugabe gleich einberechnet. Oben messe ich bis knapp unter die Kante + 1,5 cm für die obere Nahtzugabe. Das wird auf der Schablone notiert.

Der Umfang bemisst sich aus dem Dosendurchmesser mal Pi (3,14) – Nahtzugabe kommt dann noch dazu (2 x 1-1,5 cm). Wird auch notiert!

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Hier also der fertige Kreis und der angezeichnete Umfang. Das zugeschnittene Rechteck wird an einer langen Seite auf 1,5 cm umgebügelt und mit Zickzick-Zackzack-Stich umgenäht. Das ist die obere Kante. Wer mag, kann auch einen „schönen“ Saum machen (dann ggf. Nahtzugabe entsprechend erhöhen), mir taugts so. Bitte immer dran denken, dass die schöne Seite hier die fertige Innenseite wird!

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Anschließend noch zum Ring schließen und die Enden versäubern (oder direkt mit Zickzack zusammen- und mit einem Geradestich drübernähen).

Jetzt wird es etwas fummelig – bei größeren Dosen weniger als bei kleinen. Der Boden wird am Rand festgesteckt – je sauberer das gemacht wird, desto leichter wirds beim Rumnähen. Auch hier nehm ich wieder den Zickzick-Zackzack-Stich.

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Anschließend steppe ich mit einem Geradestich nochmal drüber, so dass die Nahtzugabe schön flach liegt. Hier hatte ich zu großzügig abgesteppt und die NZG auf der Unterseite nicht richtig mitgefasst. Deshalb die Doppelnaht. (Normal reicht einmal drübernähen) Auf dem Bild ist die schöne Innenseite nach außen gestülpt, damit man es besser sieht:

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Und das war es dann auch schon. Für eine eckige Dose gilt die Anleitung entsprechend mit dem Unterschied, dass die Umfangberechnung etwas leichter ist :) Bei einer viereckigen Dose kann man auch ein Stoffteil nehmen, bei dem lediglich die Ecken abgesteppt werden und der obere Rand versäubert wird.

Wenn das Kleidchen trotz Maschinenwäsche mal etwas unansehnlich wird, was bei fetthaltigen Kekse gerne mal passiert: In heißem Spüli-Wasser etwas einweichen, ggf. noch ein bisschen mit der Hand auswaschen und anschließend wie gewohnt zur Wäsche geben. Dann sollte es wieder sauber sein.

Behelfs-Mundschutz nähen: Tipps

Nachdem es nun auch bei uns zumindest die dringende Empfehlung gibt, welche zu tragen, auch von mir noch ein paar Tipps zum Nähen. Genaue Anleitungen finden sich zuhauf bei Youtube, z.B. die schöneren mit Mittelnaht (z.B. bei Jess oder Liz) oder die ganz einfachen mit Faltungen (z.B. bei Anna oder Kathi).

Zum Mittelnaht-Mundschutz:

  • Beim Innenstoff die Naht nicht ganz schließen, so kann ein Draht nach Bedarf eingefädelt und vorm Waschen entfernt werden.
  • Die Nahtzugabe der Mittelnaht einfach mit den Fingern auseinanderdrücken, anschließend radikal über die Naht drüberzackeln. Dabei die Rundung von oben unter die Maschine laufen lassen, geht am besten.
  • Für die Absteppung für das Draht-„Fach“ reicht eine Länge von 8-10 cm völlig aus (Im Bild am oberen Rand gut erkennbar)
  • In der Edel-Variante einen Tunnel für die Verschlussbänder nähen (Band liegt dabei schon im Tunnel)

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Zur Falt-Variante:

  • Zum Schließen des Rechtecks gute 1,5 cm Nahtzugabe nehmen; in der Mitte eine Öffnung von ca. 5 cm lassen.
  • So bügeln, dass die NZG an der oberen Kante liegt, knapp absteppen. So ergibt sich das Drahtfach ebenfalls mit Öffnung. (s. Bild)
  • Tshirtgarn in 2 cm breite Streifen schneiden, um die Seitenkanten mit den gesteckten Falten legen und festzackeln.
  • Alternativ Bändelenden oben und unten feststecken, komplett drüberzackeln, fertig. (s. schwarze Maske; Bilder zeigen jeweils die Innenseite)
  • Schlaufen am unteren Ende machen die Bändel größenverstellbar.

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Weitere Tipps:

  • Neben Schrägband oder Gummi eignen sich für die Bändel Tshirtgarn (2-3 cm Breite genügen), Kordeln, festgehäkelte Luftmaschenketten aus dickerer Wolle und alles, was lang genug und heiß waschbar ist.
  • Als Draht eignet sich alles, was sich biegen lässt: Bastel-, Alu-, Kupferdraht, Pfeifenputzer, Büroklammern, Verschlussklipse. Bitte nicht mit der Stoffschere kürzen!
  • Bei den Faltungen gibt es mehrere Variationen, unschwer zu erkennen, welche mein Favorit ist.
  • Für die Massenproduktion die Schritte nacheinander abarbeiten: Alle Teile zuschneiden, alle Mittelnähte nacheinander durchnähen, alle Falten legen & stecken, alle Seitennähte nacheinander durchnähen. Das ist effektiver als eine Maske nach der anderen komplett anzufertigen.
  • Insgesamt bin ich der Meinung, dass es hier nicht um Schönheit geht, sondern darum, dass der Stoff heiß gewaschen werden kann und das Ding seinen Dienst tut.

Trotz allem: Viel Spaß beim Nähen! Weitere Tipps und Ideen gerne in den Kommentaren.

Untersetzer

Einen echten Suchtfaktor hab ich bei MadewithBluemchen entdeckt – nämlich diese Untersetzer:

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Das ist eine wunderbare Möglichkeit zur Resteverwertung und je nachdem, wie groß man sie macht, können sie auch als Topf- und Schüsseluntersetzer verwendet werden – ok, da müssen die Reste natürlich größer sein :)

Ich hab mir ein Sechseck aus Karton als Schablone ausgeschnitten. Stoffe bügeln, aufeinander legen, Schablone drauf und mit dem Rollschneider alle vier Lagen auf einmal ausschneiden.

Drei Sechsecke hälftig falten, dabei die schöne Seite nach außen. Bügeln. Ich hab den Falz noch knappkantig abgesteppt. Das vierte Sechseck (=Rückseite) mit der schönen Seite nach oben hernehmen, die drei gefalteten Stücke so drauflegen, dass jeweils eine Hälfte drüber und drunter liegt. Feststecken und knappkantig rumnähen. Ecken kürzen, das Ganze wenden, sauber ausformen und bügeln. Hier hab ich ebenfalls nochmal rundum abgesteppt, schaut sauberer aus, find ich.

Fertig ist der Untersetzer – und das geht fast so schnell, wie ichs hier beschrieben habe :) Ist übrigens auch eine schöne Geschenkidee!

Fitzelpatch

Ich bin derzeit wieder voll angefixt auf Fitzelpatch! Eine wunderbare Resteverwertung für kleine Stofffitzelchen, die immer anfallen. Ganz minikleine Stücke kommen ins Kissen, die etwas größeren können für Patchwork-Muster verwendet werden. Und die, die selbst dafür zu klein sind, werden eben zu Fitzelpatch.

Dazu werden die kleinen Teilchen überlappend im Zickzick-Zackzack-Stich (oder einem ähnlich haltbaren Stich) zusammengenäht:

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Natürlich können größere Stücke auch „normal“ zusammengenäht werden (unten rechts bei dem gelben Teil zu sehen). Dazu lege ich die beiden Teile rechts auf rechts aneinander, schaffe mir mit dem Rollschneider eine gerade Kante, an der entlang ich die Stücke mit dem Zickzick-Zackzack-Stich zusammennähe. Versäuberung ist damit gleich miterledigt. Anschließend die Naht auf eine Seite bügeln und von der schönen Seite einmal mit dem Geradstich drübernähen. Damit wird verhindert, dass sich später zu viel „verschöbbelt“.

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Hier ist die Rückseite, da ist ebenfalls erkennbar, dass die Überstände ziemlich knapp abgeschnitten werden. Schließlich lässt sich bei dieser Technik nie sagen, wo die nächsten Ecken und Kanten aufeinandertreffen.

Wichtig ist: Bügeln, bügeln, bügeln! Ich sag es nicht gern, aber nirgends ist bügeln so wichtig wie beim Patchwork – das gilt umso mehr bei dieser kleinstteiligen Arbeit. Also spätestens nach zwei-drei Stücken, die aneinandergenäht wurden, wird drübergebügelt. Auf die Art können sich eventuelle Ungenauigkeiten gar nicht weiter ausbreiten und werden beim nächsten Stück einfach mit „plattgenäht“.

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Abschnitte, die sich aus zurückgeschnittenen Überständen ergeben, werden ebenfalls verwendet. Es empfiehlt sich, an mehreren Stücken gleichzeitig zu arbeiten und diese, wenn sie etwas gewachsen sind, anschließend zusammenzunähen. So ergibt sich ein stimmigeres Bild.

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Hier lässt sich gut sehen, dass neben sehr kleinen Teilen auch mal ein größeres Stück gut mit rein passt. Unten links im Bild ist der Rest eines ausgedienten Geschirrtuchs zu sehen, oben rechts der Abschnitt einer Tischdecke, die zu einer Schürze verarbeitet wurde. Überhaupt mag ich die Erinnerungen, die beim Patchwork allgemein mit eingearbeitet werden. :)

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Und was macht man dann daraus? Zum Beispiel einen Überwurf für die Eckbank – hier im Bild das Eckstück zu sehen. Ich hab es einfach nur passend zurechtgeschnitten und mit dem Zickzick-Zackzack-Stich die Borte direkt draufgenäht.

Ebenfalls gut vorstellbar ist die Verwendung als Tischset oder Tischdecke; ich hab es auch schon für einen Rucksack verwendet. Dazu hab ich den Fitzelpatch als Oberstoff genommen, eine Vlieseinlage dazwischen und einen festen Unterstoff, alles zusammengesteppt und dann verarbeitet. Auf die Art wurde das Gefitzel genauso strapazierfähig wie jeder andere feste Stoff, wenn auch die Verarbeitung durch die Dicke etwas… strapaziös war :)

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Auf dem Bild ist der Rucksack noch im Neuzustand und seit mittlerweile knapp sechs Jahren im Gebrauch!

Übrigens: Fitzelpatch ist nicht nur eine gute Resteverwertung für Stoffteilchen sondern auch für Nähgarn. Grellgrünes Garn, das du nie für irgendwas brauchen kannst? Hier taugt es bestens, weil hier ist eh alles bunt in bunt! Nur noch wenig Faden auf der Spule? Auf ne Unterfadenspule umspulen und für Fitzelpatch verwenden. Der Unterfaden lässt sich in der Regel schnell und einfach wechseln und bei dieser Technik stört es überhaupt nicht, wenn mitten in der Naht „angestückelt“ wird.

Probiert es aus, es macht Spaß, ist ein bisschen wie puzzeln. Aber Vorsicht: Hoher Suchtfaktor! Andererseits: Momentan hat mensch ja Zeit für sowas…

Haltet durch und bleibt gesund!

 

Das Ding: Rollschneider

In meiner losen Serie „das Ding“ stelle ich Sachen vor, die ich für sehr nützlich und praktisch erachte, die mir das Leben erleichtern. Ich bekomme dafür weder Geld noch sonstige Zuwendungen sondern erzähle einfach nur, was ich gut finde. 

Da ich mir irgendwann mal eine wirklich sehr gute Schneiderschere geleistet hatte, die nach wie vor ausgezeichnete Dienste tut, war es für mich klar, dass ich keinen Rollschneider brauche. Überhaupt mein Tipp an der Stelle: Niemals beim Werkzeug sparen! Lieber ein bisschen mehr Geld in „was Gscheits“ investieren, als Billigschrott kaufen, der nach einem halben Jahr auf dem Müll landet! Vorher informieren, sich selber Gedanken machen, was wichtig ist, welche Prioritäten man selber hat. Und dann das Richtige kaufen.

Jedenfalls hab ich über die Jahre immer wieder mal gedacht, hier und da wär ein Rollschneider schon praktischer als eine Schere. Vor einiger Zeit hat sichs ergeben, dass ich mir nun doch einen zugelegt habe. Samt Schneidematte dazu. Die Unterlage muss unbedingt sein; zum Einen, um den Tisch/die Arbeitsfläche/den Fußboden nicht zu zerstören :) Zum Anderen hält die Klinge dadurch länger. Achso: Ersatzklingen am Besten auch gleich mitbestellen, dann sind welche zur Hand, wenn sie gebraucht werden.

Ebenfalls wichtig: Die Schneidematte nicht zu klein nehmen. Für den Anfang wäre 90x60cm eine gute Größe, meint Anna von Einfach nähen und da hat sie recht. Keinesfalls kleiner, es soll ja ein Schnittteil gut drauf Platz haben. In dem verlinkten Video zeigt Anna, wie das mit dem Zuschneiden mit dem Rollschneider geht, ist an sich eh selbsterklärend, für mich war dieses Video jedenfalls der letzte Schubbs, der mich zur Anschaffung bewogen hat. (Wobei ich nicht genau diese Produkte/Marke gekauft habe, die sie dort verwendet – mir gehts hier um das Ding, nicht um die Marke)

Einen Warnhinweis muss ich noch anbringen: Die Schneidematte hat anfangs ziemlich fiese Ausdünstungen, die so drei-vier Wochen andauern! Also keinesfalls im Schlafzimmer aufbewahren. Nach dieser Zeit ist aber alles gut und riecht nix mehr. Ich hab mich dazu ein bisschen umgehört, das Problem scheint herstellerunabhängig zu sein. Wenn möglich, diese Investition also eher im Sommer tätigen, dann könnt ihr gut durchlüften!

Tatsache ist: Ich will meinen Rollschneider nicht mehr missen! Ein großes (Patch-)Lineal hatte ich bereits (so eins zu haben empfiehlt sich natürlich sehr in dem Zusammenhang!) und konnte also loslegen. Es muss nix mehr extra angezeichnet werden; die Schneidematte hilft zusätzlich durch den Bemaßungsaufdruck. Man hat eine gerade Kante, an der entlang genäht werden kann, kein späteres Zurückschneiden der Nahtzugabe – es spart so viel Zeit und gibt somit viel mehr Raum für die Freude und den Spaß am Nähen.

Also falls ihr euch überlegt, ob sich so eine Anschaffung lohnt: Ja, tut sie! Natürlich nutze ich auch die Schere noch, aber für große und/oder gerade Schnittteile ist ein Rollschneider unübertrefflich. Ich will meinen nicht mehr missen!

 

Gewerkelungen 2019

Was bei meiner Neustrukturierung ein bisschen untergegangen ist, sind meine Gewerkelungen. Hier hab ich zwar das eine oder andere Projekt vorgestellt, aber so ein Rundumschlag, den gabs bislang noch nicht. Das will ich hiermit nachholen.

Ich beginne mit den „Baddschgerli“ – Häkelsöckchen, die in der feinen Baumwollausführung sehr gute Dienste leisten bei Riemchensandalen. Da hatte ich mir nämlich beidseitig heftige Blasen gelaufen, weil die Riemen auf der Haut gescheuert hatten. Die Baddschgerli haben Abhilfe geschafft. Und in der Variante aus dicker Wolle gehen sie sehr gut als Haussocken durch. Eine Anleitung (pdf, 2,1 MB) dafür hab ich vor Jahren schon mal geschrieben.

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Ich bleib beim Häkeln, und zwar hab ich nochmal „Becherschühchen“ für die Katzenbecherchen gemacht, damit die nicht davonrutschen. Daneben ein Kleidchen für das Glas mit dem Waschpulver, ein Zwickersäckle, schöne Untersetzer und ganz außen ein Häkelmandala. Da hab ich eine Zeit dafür gebraucht, bis das fertig war, aber das Ergebnis war alle Mühe wert!

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Was natürlich dieses Jahr auch nicht fehlen durfte, war meine Einkoch-Saison. Wie immer gab es Erdbeermarmelade ausm Garten, außerdem Heidelbeere (von meinem Liebsten selbstgezupft), Stachelbeer-Apfel-Honigmelone und – noch ganz frisch – Hagebutte-Kürbis. In der mittleren Reihe Kirsche, Brombeer und Himbeere (die beiden letzteren ausm Garten). Unten das obligatorische Zucchini-Relish, außerdem die eingelegte Variante zusammen mit Paprika und Zwiebeln (seeehr legga!). Als letztes Schoggipudding, über den ich bereits berichtet habe.

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Ich bleib in der Küche: Da gabs einen Rosenkuchen, in dem neben Nüssen auch alle möglichen Lebkuchenreste verschwanden. Daneben Kekse, die back ich regelmäßig. Es folgt ein Kürbis-Schoggi-Kuchen zu meinem Geburtstag und ganz außen der Plätzchenteller meines diesjährigen Baggwahns.

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Abdeckhäubchen hab ich ohne Ende genäht heuer, die gehen ja immer mal fix zwischendurch. Außerdem noch zwei Innenkleidchen für die große Keksdose:

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Ebenfalls inflationär hab ich Nähgewichte und Gemüsesäckchen angefertig. Dazwischen ein paar Bodentücher aus einem alten Handtuch und ein Kästchen hat ein Patchwork-Kleid bekommen. In der unteren Reihe ist die Laptop-Tasche zu sehen, eine Buch-Tasche, mein Pinguin, eine Hülle für einen USB-Stick und eine Kissenhülle.

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Einige kurze Höschen gabs noch, eine enger genähte Jeans, ein Sommerkleid und bei einer Strickjacke hab ich neue Ärmel drangestrickt. Die originalen waren zu eng und zu lang (hatte ich gekauft-geschenkt bekommen). Jetzt passt alles und sie ist so schön flauschig-warm.  Daneben ein gepimptes Shirt. Da hats mich genervt, dass der Ärmelausschnitt so weit war, dass ich kurzerhand ein bisschen Spitze reingenäht habe. Es folgt noch eine Schlafanzughose und eine Schürze aus einer Tischdecke. – In dieser Reihe war alles komplett upgecycelt bzw. repariert.

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Und natürlich hab ich wieder jede Menge Socken gestrickt, hier eine kleine Auswahl:

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Ebenfalls gestrickt ist die Decke links und der Schal rechts – auffallend ähnliches Design :) In der Mitte meine Auswahl an Kerzen, die ich aus den gesammelten Resten gegossen habe. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, das Herstellungsdatum einzuritzen (Monat und Jahr), weil sie tatsächlich besser brennen, wenn sie mindestens ein halbes, besser ein ganzes Jahr ruhen durften.

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Somit ist heuer doch einiges zusammengekommen. Dabei war hier aber längst noch nicht alles dabei. Ich bin schon drauf gespannt, was mir das neue Jahr alles an Ideen und Projekte bringen wird!

Das Ding: Stofftaschentücher

Es ist wieder Schnupfenzeit und wo ich hinblicke, alle Welt benutzt Papiertaschentücher. Leute, echt jetzt?

Ich nutze mein Leben lang bereits Stofftaschentücher. Die netten kleinen Damentaschentücher sogar mit Spitzenrand, größtenteils von meiner Patentante selbstgehäkelt. Ich hab mich ebenfalls mal daran versucht und weiß, was für eine Arbeit das ist! Umso mehr halte ich die Taschentücher meiner Tante in Ehren.

Unterm Kopfkissen liegt ein großes Männertaschentuch, auch Schnupftuch genannt. Falls ich mal des Nächtens eins brauch, bin ich somit versorgt.

Die gebrauchten Taschentücher kommen regelmäßig in die Waschmaschine und nehmen da nicht wesentlich viel Platz weg. Außer, wenn ich mal eine richtige Erkältung habe und entsprechend mehr Bedarf habe. Aber das ist eh die Ausnahme. Und bevor jetzt die Kommentare kommen von wegen „immer wieder neu anstecken“: Das ist Blödsinn, erfunden von der Werbung für Papiertaschentücher und das bereits in den… 1960ern so rum. 

Tatsache ist: Mit einer Erkältung, die ich bereits habe, kann ich mich nicht immer wieder neu anstecken. Schon deshalb nicht, weil ich, sobald diese Erkältung überstanden ist, gegen genau diesen Erreger immun bin. Jeder Mensch bekommt jede Erkältung nur einmal.

Papiertaschentücher sind so überflüssig wie ein Kropf, sowohl im normalen Alltag, wenn man sich mal die Nase putzt, als auch bei einer richtigen Erkältung – dann braucht man halt einfach ein paar mehr Stofftaschentücher.

Fragt doch einfach mal bei Muttern oder den Großeltern, ob die ein paar ihrer Stofftaschentücher entbehren können und euch vererben würden – ich bin mir sicher, sie freuen sich darüber, dass diese schöne Tradition weitergeführt werden soll. Und vielleicht gibts ja bei euch auch das eine oder andere gute Stück mit Spitzenrand, das eine Geschichte erzählt?

Notfalls lassen sich Taschentücher auch selber nähen aus einem ausgedienten Baumwollhemd, Bettbezug oder sonstigen Stoffresten. Der Saum kann dabei entweder mit einem schmalen Zickzack-Stick versäubert werden, oder – eleganter – wie ein normaler Saum doppelt eingeschlagen, das Ganze nur sehr sehr schmal. Somit auch eine gute Resteverwertung und prima Übung auch für NähanfängerInnen. Besonders schön müssen die Läppchen ja nicht unbedingt werden – so genau werden Taschentücher ja eher nicht begutachtet werden. :)

Ich hoffe, ich kann mit diesem Appell die eine oder andere bzw. den einen oder anderen hier davon überzeugen, ebenfalls auf Stofftaschentücher umzusteigen. Wer noch ein paar Argumente braucht, wir bei utopia.de fündig.

Nichtsdestotrotz wünsche ich euch und uns allen eine hoffentlich schnupfenfreie Winter-Zeit :)

Laptop-Tasche

Zu unserem alten Laptop gab es bislang keine Tasche. Ich wollte den aber nicht schutzlos im Schrank liegen lassen; außerdem war es mir wichtig, dass alles zusammen ist: Kabel, USB-Stick und mein Spickzettel. Seit ich dort ein Linux (MX, 32bit) draufgebrezelt habe, funktioniert der nämlich wieder und wenn wir mal ein togo-Laptop brauchen, haben wir nun eins. Der Stick ist für alle Notfälle und der Spickzettel – naja, da wir den Laptop nicht oft brauchen werden, ist es nützlich, die eine oder andere Information griffbereit zu haben.

Ich hab echt lange überlegt, Ideen skizziert, wieder verworfen. Das Projekt ging mir viele Wochen im Kopf rum. Bis ich meine alte Jeans in meinem Fundus entdeckte und dann wars klar, dass das ein prima Upcycling-Projekt wird. (Kennt ihr das, wenn ihr so eine Grundidee eewig mit euch rumtragt und plötzlich machts „pling“? *gg*)

Zunächst hab ich die Hosenbeine säuberlich aufgetrennt (was eine Sauarbeit war!) und dann die Jeans „gedreht“, so dass der Reißverschluss seitlich ist und die Ober- und Unterseite der Tasche aus je einem Vorder- und Hinterteil der Jeans besteht. Nebeneffekt dieser Drehung: Die dünnen Stellen im Schritt sind durch die Begradigung der Seitennähte rausgefallen.

Die Drehung war der Clou an der Sache, weil die Jeans im Bund einen Tick zu eng fürs Laptop war. So konnte ich nun den Reißverschluss in die Öffnung integrieren. Sobald das Laptop drinnen liegt, hat es genug Platz.

Für den Innenstoff und den Trageriemen hab ich ein Stück eines alten Bettbezuges verwendet und für die „Fütterung“ hab ich einen Rest Volumenvlies in exakt der benötigten Größe gefunden.

Oben habe ich einen langen Reißverschluss eingenäht (der hab ich auch in meinem Vorrat gefunden); als allererstes hat aber eine der Gesäßtaschen einen Reißverschluss bekommen. Da wohnen jetzt Stick und Spickzettel drin, damit die sich nicht irgendwo verschlupfen können.

Das Annähen des Innenstoffes an den Jeansreißverschluss war das einzig Fummelige an der ganzen Sache, alles andere ging locker-flockig von der Hand. Den Trageriemen hab ich einfach durch die Gürtelschlaufen gezogen und die Jeanstaschen haben die perfekte Größe für Netzteil und Kabel.

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„Oaschtasche“ mit Reißverschluss für sichere Verwahrung von Stick und Spickzettel

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Vordere Jeanstasche beherbergt das Kabel. Die Gürtelschlaufen bieten genügend Halt für den Trageriemen

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Zwei Reißverschlüsse geben die Weite für die Öffnung – innen ist der Platz ausreichend.

Falls ihr jetzt Lust bekommen habt, euch selber so eine Tasche zu nähen – gerade mit den Hosentaschen ist das sowas von praktisch! – es gibt bei Youtube jede Menge Anleitungen, auch mit genauen Hinweisen, wie Maß genommen werden muss usw.

Und ich freu mich auf Verlinkungen in den Kommentaren, dass ich eure Ergebnisse auch sehen kann. Oder habt ich was anderes aus ner alten Jeans genäht? Eine Laptop-Tasche aus einem anderen Material geupcycelt? Her damit – interessiert mich alles! :)

Rundung versäumen

Ich will mir ein Kleid nähen mit „Flügelärmel“ – auf fränkisch: „Falbali“. Der Ärmel besteht aus einer Art Halbmond, wobei die innere Rundung an den Ärmelausschnitt des Vorder- und Rückenteils angenäht wird. Die große äußere Rundung ist der Ärmelsaum und den hinzupfriemeln ist nicht wirklich einfach.

Aber es gibt einen Trick, wie das Kunststück einer faltenfreien Versäuberung doch gelingt. Dazu brauchts ca. zwei Zentimeter Nahtzugabe. Mit einem Garn in Kontrastfarbe und größter Stichlänge einmal füßchenbreit von der späteren Saumkante entlang rumnähen (also mittig von der Nahtzugabe):

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Diese Hilfsnaht wird nun ein wenig eingekräuselt; dabei am besten von beiden Seiten jeweils bis zur Hälfte ein bisschen ziehen. Keine Sorge, wenn zu viel gezogen wurde: das lässt leicht wieder auseinanderziehen. Nur reißen darf der Faden nicht, sonst muss die Hilfsnaht komplett neu genäht werden.

Anschließend wird der Saum um- und festgesteckt, wie rechts im Bild zu sehen ist: An der Hilfsnaht entlang wird das Gekräusel nach innen geschlagen und mit Nadeln fixiert. Lasst euch dafür Zeit, steckt lieber eine Nadel mehr als eine zu wenig – umso leichter tut ihr euch beim Nähen und umso besser wird das Ergebnis. Der Saum sollte, wenn alles fertiggesteckt ist, schön flach aufliegen. Notfalls lieber ein bisschen zu eng als zu locker.

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Nun wird genäht und zwar am besten von der linken Seite, weil von hier aus leichter noch etwas zurechtgezupft und hier und da vorstehendes Gekräusel wieder nach innen gestopft und festgenäht werden kann. Diese Naht ziemlich eng an der Hilfsnaht ansetzen, aber nicht auf der Hilfsnaht – die soll anschließend ja wieder raus!

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Weißes Garn auf weißem Stoff ist zwar nicht so gut sichtbar, aber ich hoffe doch einigermaßen erkennbar die zweite Naht nahe an der Außenkante. Damit wird der Saum noch ein bisschen „gebügelt“.

Die Hilfsnaht ist durch die große Stichlänge schnell rumgenäht. Das Einkräuseln nimmt ein wenig Zeit in Anspruch, die man sich auch nehmen sollte – schließlich soll der Faden nicht reißen! Ebenso viel Sorgfalt verlangt das Feststecken. Der Lohn für die Arbeit ist dann aber ein faltenfreier Saum, der sich sehen lassen kann!

Und wer sich unter „Flügelärmel“ bzw. „Falbali“ nicht so recht was vorstellen kann – das sieht so aus:

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Dafür, dass der Schnitt nach Gefühl war, hab ich das gut hinbekommen :) Und ich hoffe, ich kann mit der kleinen Anleitung hier der einen oder anderen dazu verhelfen, bei der nächsten Rundversäumung ein paar Flüche weniger auszustoßen.  ;)