Archiv der Kategorie: nähen

Gewerkelungen 2019

Was bei meiner Neustrukturierung ein bisschen untergegangen ist, sind meine Gewerkelungen. Hier hab ich zwar das eine oder andere Projekt vorgestellt, aber so ein Rundumschlag, den gabs bislang noch nicht. Das will ich hiermit nachholen.

Ich beginne mit den „Baddschgerli“ – Häkelsöckchen, die in der feinen Baumwollausführung sehr gute Dienste leisten bei Riemchensandalen. Da hatte ich mir nämlich beidseitig heftige Blasen gelaufen, weil die Riemen auf der Haut gescheuert hatten. Die Baddschgerli haben Abhilfe geschafft. Und in der Variante aus dicker Wolle gehen sie sehr gut als Haussocken durch. Eine Anleitung (pdf, 2,1 MB) dafür hab ich vor Jahren schon mal geschrieben.

19-baddschgerli

Ich bleib beim Häkeln, und zwar hab ich nochmal „Becherschühchen“ für die Katzenbecherchen gemacht, damit die nicht davonrutschen. Daneben ein Kleidchen für das Glas mit dem Waschpulver, ein Zwickersäckle, schöne Untersetzer und ganz außen ein Häkelmandala. Da hab ich eine Zeit dafür gebraucht, bis das fertig war, aber das Ergebnis war alle Mühe wert!

19-haekel

Was natürlich dieses Jahr auch nicht fehlen durfte, war meine Einkoch-Saison. Wie immer gab es Erdbeermarmelade ausm Garten, außerdem Heidelbeere (von meinem Liebsten selbstgezupft), Stachelbeer-Apfel-Honigmelone und – noch ganz frisch – Hagebutte-Kürbis. In der mittleren Reihe Kirsche, Brombeer und Himbeere (die beiden letzteren ausm Garten). Unten das obligatorische Zucchini-Relish, außerdem die eingelegte Variante zusammen mit Paprika und Zwiebeln (seeehr legga!). Als letztes Schoggipudding, über den ich bereits berichtet habe.

19-einkoch

Ich bleib in der Küche: Da gabs einen Rosenkuchen, in dem neben Nüssen auch alle möglichen Lebkuchenreste verschwanden. Daneben Kekse, die back ich regelmäßig. Es folgt ein Kürbis-Schoggi-Kuchen zu meinem Geburtstag und ganz außen der Plätzchenteller meines diesjährigen Baggwahns.

19-kueche

Abdeckhäubchen hab ich ohne Ende genäht heuer, die gehen ja immer mal fix zwischendurch. Außerdem noch zwei Innenkleidchen für die große Keksdose:

19-hauebli

Ebenfalls inflationär hab ich Nähgewichte und Gemüsesäckchen angefertig. Dazwischen ein paar Bodentücher aus einem alten Handtuch und ein Kästchen hat ein Patchwork-Kleid bekommen. In der unteren Reihe ist die Laptop-Tasche zu sehen, eine Buch-Tasche, mein Pinguin, eine Hülle für einen USB-Stick und eine Kissenhülle.

19-naehen

Einige kurze Höschen gabs noch, eine enger genähte Jeans, ein Sommerkleid und bei einer Strickjacke hab ich neue Ärmel drangestrickt. Die originalen waren zu eng und zu lang (hatte ich gekauft-geschenkt bekommen). Jetzt passt alles und sie ist so schön flauschig-warm.  Daneben ein gepimptes Shirt. Da hats mich genervt, dass der Ärmelausschnitt so weit war, dass ich kurzerhand ein bisschen Spitze reingenäht habe. Es folgt noch eine Schlafanzughose und eine Schürze aus einer Tischdecke. – In dieser Reihe war alles komplett upgecycelt bzw. repariert.

19-klamotten

Und natürlich hab ich wieder jede Menge Socken gestrickt, hier eine kleine Auswahl:

19-soggn

Ebenfalls gestrickt ist die Decke links und der Schal rechts – auffallend ähnliches Design :) In der Mitte meine Auswahl an Kerzen, die ich aus den gesammelten Resten gegossen habe. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, das Herstellungsdatum einzuritzen (Monat und Jahr), weil sie tatsächlich besser brennen, wenn sie mindestens ein halbes, besser ein ganzes Jahr ruhen durften.

19-strick-kerzen

Somit ist heuer doch einiges zusammengekommen. Dabei war hier aber längst noch nicht alles dabei. Ich bin schon drauf gespannt, was mir das neue Jahr alles an Ideen und Projekte bringen wird!

Das Ding: Stofftaschentücher

Es ist wieder Schnupfenzeit und wo ich hinblicke, alle Welt benutzt Papiertaschentücher. Leute, echt jetzt?

Ich nutze mein Leben lang bereits Stofftaschentücher. Die netten kleinen Damentaschentücher sogar mit Spitzenrand, größtenteils von meiner Patentante selbstgehäkelt. Ich hab mich ebenfalls mal daran versucht und weiß, was für eine Arbeit das ist! Umso mehr halte ich die Taschentücher meiner Tante in Ehren.

Unterm Kopfkissen liegt ein großes Männertaschentuch, auch Schnupftuch genannt. Falls ich mal des Nächtens eins brauch, bin ich somit versorgt.

Die gebrauchten Taschentücher kommen regelmäßig in die Waschmaschine und nehmen da nicht wesentlich viel Platz weg. Außer, wenn ich mal eine richtige Erkältung habe und entsprechend mehr Bedarf habe. Aber das ist eh die Ausnahme. Und bevor jetzt die Kommentare kommen von wegen „immer wieder neu anstecken“: Das ist Blödsinn, erfunden von der Werbung für Papiertaschentücher und das bereits in den… 1960ern so rum. 

Tatsache ist: Mit einer Erkältung, die ich bereits habe, kann ich mich nicht immer wieder neu anstecken. Schon deshalb nicht, weil ich, sobald diese Erkältung überstanden ist, gegen genau diesen Erreger immun bin. Jeder Mensch bekommt jede Erkältung nur einmal.

Papiertaschentücher sind so überflüssig wie ein Kropf, sowohl im normalen Alltag, wenn man sich mal die Nase putzt, als auch bei einer richtigen Erkältung – dann braucht man halt einfach ein paar mehr Stofftaschentücher.

Fragt doch einfach mal bei Muttern oder den Großeltern, ob die ein paar ihrer Stofftaschentücher entbehren können und euch vererben würden – ich bin mir sicher, sie freuen sich darüber, dass diese schöne Tradition weitergeführt werden soll. Und vielleicht gibts ja bei euch auch das eine oder andere gute Stück mit Spitzenrand, das eine Geschichte erzählt?

Notfalls lassen sich Taschentücher auch selber nähen aus einem ausgedienten Baumwollhemd, Bettbezug oder sonstigen Stoffresten. Der Saum kann dabei entweder mit einem schmalen Zickzack-Stick versäubert werden, oder – eleganter – wie ein normaler Saum doppelt eingeschlagen, das Ganze nur sehr sehr schmal. Somit auch eine gute Resteverwertung und prima Übung auch für NähanfängerInnen. Besonders schön müssen die Läppchen ja nicht unbedingt werden – so genau werden Taschentücher ja eher nicht begutachtet werden. :)

Ich hoffe, ich kann mit diesem Appell die eine oder andere bzw. den einen oder anderen hier davon überzeugen, ebenfalls auf Stofftaschentücher umzusteigen. Wer noch ein paar Argumente braucht, wir bei utopia.de fündig.

Nichtsdestotrotz wünsche ich euch und uns allen eine hoffentlich schnupfenfreie Winter-Zeit :)

Laptop-Tasche

Zu unserem alten Laptop gab es bislang keine Tasche. Ich wollte den aber nicht schutzlos im Schrank liegen lassen; außerdem war es mir wichtig, dass alles zusammen ist: Kabel, USB-Stick und mein Spickzettel. Seit ich dort ein Linux (MX, 32bit) draufgebrezelt habe, funktioniert der nämlich wieder und wenn wir mal ein togo-Laptop brauchen, haben wir nun eins. Der Stick ist für alle Notfälle und der Spickzettel – naja, da wir den Laptop nicht oft brauchen werden, ist es nützlich, die eine oder andere Information griffbereit zu haben.

Ich hab echt lange überlegt, Ideen skizziert, wieder verworfen. Das Projekt ging mir viele Wochen im Kopf rum. Bis ich meine alte Jeans in meinem Fundus entdeckte und dann wars klar, dass das ein prima Upcycling-Projekt wird. (Kennt ihr das, wenn ihr so eine Grundidee eewig mit euch rumtragt und plötzlich machts „pling“? *gg*)

Zunächst hab ich die Hosenbeine säuberlich aufgetrennt (was eine Sauarbeit war!) und dann die Jeans „gedreht“, so dass der Reißverschluss seitlich ist und die Ober- und Unterseite der Tasche aus je einem Vorder- und Hinterteil der Jeans besteht. Nebeneffekt dieser Drehung: Die dünnen Stellen im Schritt sind durch die Begradigung der Seitennähte rausgefallen.

Die Drehung war der Clou an der Sache, weil die Jeans im Bund einen Tick zu eng fürs Laptop war. So konnte ich nun den Reißverschluss in die Öffnung integrieren. Sobald das Laptop drinnen liegt, hat es genug Platz.

Für den Innenstoff und den Trageriemen hab ich ein Stück eines alten Bettbezuges verwendet und für die „Fütterung“ hab ich einen Rest Volumenvlies in exakt der benötigten Größe gefunden.

Oben habe ich einen langen Reißverschluss eingenäht (der hab ich auch in meinem Vorrat gefunden); als allererstes hat aber eine der Gesäßtaschen einen Reißverschluss bekommen. Da wohnen jetzt Stick und Spickzettel drin, damit die sich nicht irgendwo verschlupfen können.

Das Annähen des Innenstoffes an den Jeansreißverschluss war das einzig Fummelige an der ganzen Sache, alles andere ging locker-flockig von der Hand. Den Trageriemen hab ich einfach durch die Gürtelschlaufen gezogen und die Jeanstaschen haben die perfekte Größe für Netzteil und Kabel.

2019_08laptoptasche01

„Oaschtasche“ mit Reißverschluss für sichere Verwahrung von Stick und Spickzettel

2019_08laptoptasche02

Vordere Jeanstasche beherbergt das Kabel. Die Gürtelschlaufen bieten genügend Halt für den Trageriemen

2019_08laptoptasche03

Zwei Reißverschlüsse geben die Weite für die Öffnung – innen ist der Platz ausreichend.

Falls ihr jetzt Lust bekommen habt, euch selber so eine Tasche zu nähen – gerade mit den Hosentaschen ist das sowas von praktisch! – es gibt bei Youtube jede Menge Anleitungen, auch mit genauen Hinweisen, wie Maß genommen werden muss usw.

Und ich freu mich auf Verlinkungen in den Kommentaren, dass ich eure Ergebnisse auch sehen kann. Oder habt ich was anderes aus ner alten Jeans genäht? Eine Laptop-Tasche aus einem anderen Material geupcycelt? Her damit – interessiert mich alles! :)

Rundung versäumen

Ich will mir ein Kleid nähen mit „Flügelärmel“ – auf fränkisch: „Falbali“. Der Ärmel besteht aus einer Art Halbmond, wobei die innere Rundung an den Ärmelausschnitt des Vorder- und Rückenteils angenäht wird. Die große äußere Rundung ist der Ärmelsaum und den hinzupfriemeln ist nicht wirklich einfach.

Aber es gibt einen Trick, wie das Kunststück einer faltenfreien Versäuberung doch gelingt. Dazu brauchts ca. zwei Zentimeter Nahtzugabe. Mit einem Garn in Kontrastfarbe und größter Stichlänge einmal füßchenbreit von der späteren Saumkante entlang rumnähen (also mittig von der Nahtzugabe):

2019_06rundsaum01

Diese Hilfsnaht wird nun ein wenig eingekräuselt; dabei am besten von beiden Seiten jeweils bis zur Hälfte ein bisschen ziehen. Keine Sorge, wenn zu viel gezogen wurde: das lässt leicht wieder auseinanderziehen. Nur reißen darf der Faden nicht, sonst muss die Hilfsnaht komplett neu genäht werden.

Anschließend wird der Saum um- und festgesteckt, wie rechts im Bild zu sehen ist: An der Hilfsnaht entlang wird das Gekräusel nach innen geschlagen und mit Nadeln fixiert. Lasst euch dafür Zeit, steckt lieber eine Nadel mehr als eine zu wenig – umso leichter tut ihr euch beim Nähen und umso besser wird das Ergebnis. Der Saum sollte, wenn alles fertiggesteckt ist, schön flach aufliegen. Notfalls lieber ein bisschen zu eng als zu locker.

2019_06rundsaum02

Nun wird genäht und zwar am besten von der linken Seite, weil von hier aus leichter noch etwas zurechtgezupft und hier und da vorstehendes Gekräusel wieder nach innen gestopft und festgenäht werden kann. Diese Naht ziemlich eng an der Hilfsnaht ansetzen, aber nicht auf der Hilfsnaht – die soll anschließend ja wieder raus!

2019_06rundsaum03

Weißes Garn auf weißem Stoff ist zwar nicht so gut sichtbar, aber ich hoffe doch einigermaßen erkennbar die zweite Naht nahe an der Außenkante. Damit wird der Saum noch ein bisschen „gebügelt“.

Die Hilfsnaht ist durch die große Stichlänge schnell rumgenäht. Das Einkräuseln nimmt ein wenig Zeit in Anspruch, die man sich auch nehmen sollte – schließlich soll der Faden nicht reißen! Ebenso viel Sorgfalt verlangt das Feststecken. Der Lohn für die Arbeit ist dann aber ein faltenfreier Saum, der sich sehen lassen kann!

Und wer sich unter „Flügelärmel“ bzw. „Falbali“ nicht so recht was vorstellen kann – das sieht so aus:

2019_06testkleid03kl

Dafür, dass der Schnitt nach Gefühl war, hab ich das gut hinbekommen :) Und ich hoffe, ich kann mit der kleinen Anleitung hier der einen oder anderen dazu verhelfen, bei der nächsten Rundversäumung ein paar Flüche weniger auszustoßen.  ;)

Abdeckhaube nähen

Nicht für jede Schüssel hat man den passenden Deckel und einen Teller o.ä. drauflegen ist vielleicht nicht immer die beste Wahl, z.B. wenn der Nudelsalat zur Grillparty transportiert werden soll. Frischhaltefolie? Nö, geht gar nicht! Besser: Ein Abdeckhäubchen nähen.

Dazu werden zwei Stücke Stoff – am besten Baumwolle, weil die auch mal bei 60 Grad gewaschen werden kann – benötigt, etwas größer als der Schüsselrand. Außerdem noch Kordel oder Gummiband.

Auf einem der beiden Stoffteile einen Kreis anzeichnen, ca. zwei bis drei Zentimeter größerer Durchmesser als die Schüssel. Die Stoffe rechts auf rechts zusammenstecken und an der Linie entlang zusammennähen, dabei eine Wendeöffnung lassen!

Die Überstände etwas zurückschneiden, an der Wendeöffnung beide Stoffteile einzeln verzackeln, der Rest kann rundum zusammen verzackelt werden (muss aber nicht). Kreis wenden und die Naht schön ausformen.

Anschließend ziemlich knapp am Rand einmal rumsteppen, dabei die Wendeöffnung auf ein bis zwei Zentimeter verkleinern.

Ca. zwei Zentimeter weiter innen eine weitere Naht absteppen, diesmal aber rundrum. Die Markierung auf der Nähplatte dabei zu Hilfe nehmen.

Eine Kordel einziehen – lang genug, dass eine Schleife gebunden werden kann – oder ein Gummiband. Letzteres hat den Vorteil, dass sich die Haube damit leichter überstülpen lässt, erstere macht die Haube passend für mehrere Größen. Mein Tipp: Probierts aus, was euch am besten taugt.

So siehts dann aus – hier habe ich bemerkt, dass zwei Zentimeter größer möglicherweise ein bisschen knapp sind, daher schreibe ich oben lieber zwei bis drei Zentimeter.

Tux-Tux

Neulich beim Ausmisten blätter ich innem alten Handarbeitsbuch – und da is eine Anleitung für einen Pinguin drin. Als Sitzsack gedacht (daher der riesige Bauch), aber die Vorlage kann ja auch weniger stark vergrößert werden :)

Nach kleineren Schwierigkeiten (Teile falsch ausgeschnitten) schließlich doch noch der Geistesblitz, wie alles zusammengehört und dann wars ziemlich schnell fertig.

Weil: Wer Linux hat, braucht natürlich einen Pinguin. Völlig klar! Hat auch mein Liebster eingesehen :)

Falls ich nochmal einen machen sollte, wird der Bauch ein bisschen kleiner und der Kopf etwas flacher. Der hier hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Homer Simpson :) Achso, der Bauch ist logischerweise grün, weil wegen Linux Mint. Eh klar :)

 

 

 

 

Nähgewichte? Nähgewichte!

Kennt ihr das, wenn man einfach auf der Leitung steht? So gings mir mit Nähgewichten. Vor vielleicht zwei Jahren begann der Begriff mich zu verfolgen. Plötzlich wurden überall Nähgewichte gebastelt, gehäkelt, gestrickt – und natürlich auch genäht. Es ist mir bis heute schleierhaft, warum auf einmal überall Beiträge dazu auftauchten. Auf Blogs, YouTube, Pinterest – egal, wo im Netz ich mich gerade bewegte, haben die Dinger mich verfolgt.

Das Seltsame an der Sache: Ich habe mich immer gefragt, wozu zur Hel man sowas braucht? War das wieder so ein „Musste-unbedingt-haben-wennste-in-sein-willst“-Ding? Ich habs nicht kapiert. Und irgendwann ließ die Nähgewichte-Schwemme wieder nach und ich habs völlig vergessen.

Monate später war ich wieder mal am Nähen. Wie das so ist, beginnt das mit Bügeln des zuzuschneidenden Stoffes, auf diesen wird der Schnitt aufgelegt und übertragen. Ich leg mir dazu immer ein paar Bücher auf den Schnitt, damit beim Anzeichnen nichts verrutscht. Das funktioniert prima, nur diesmal wars ein bisschen fummliger, da waren die Bücher fast ein bisschen unhandlich. Da müsste man mal irgendwas erfinden… – und in dem Moment hats endlich „klick“ gemacht! *gg*

Nun wusste ich endlich, wozu Nähgewichte – aka Schnittbeschwerer, Zuschneidegewichte, Fixiergewichte – gut sind. Wobei ich Schnittbeschwerer – analog zu „Briefbeschwerer“ – passender als „Nähgewichte“ finde. Weil zum Nähen brauch ich das Gewicht ja nicht!

Jedenfalls hat mich nun die Schnittbeschwerer/Nähgewichte-Herstellungs-Muse geküsst und ich hab einfach mal frei Schnauze losgelegt:

2019_01naehgewichte02kl

Die dreieckigen gefallen mir am Besten und sind einfach herzustellen:

  • Ein rechteckiges Stück Stoffrest auf die Hälfte legen (schöne Seite nach innen), so dass ungefähr ein Quadrat entsteht.
  • Zwei Seiten absteppen.
  • Bei der noch offenen Seite die Kanten aufeinander legen, so dass diese nun in der Mitte liegen. Etwa zur Hälfte absteppen.
  • Wenden und durch die Öffnung (mit einem Trichter) befüllen. Kleine Dekosteine (ggf. vorher waschen und trocknen lassen) eignen sich gut als Füllmaterial – s. auch unten.
  • Nicht ganz randvoll machen, in die Öffnung ein Band (Schlaufe) legen, feststecken und verschließen. Die Schlaufe kann auch weggelassen werden.

Erinnert dich an Osterhühner? Stimmt – das ist genau dieselbe Vorgehensweise, nur eben ohne Schnabel, Kamm und Füße. Falls du eine ausführlichere und bebilderte Anleitung haben möchtest, findest du z.B. bei Olivia Twist eine solche, sogar mit Video.

Für die flachen Fixiergewichte einfach zwei Stoffreste aufeinander legen (schöne Seite nach innen), bis auf eine Wendeöffnung absteppen. Wenden. Befüllen. Öffnung schließen (ggf. mit Bändel).

Ist eine gute Stoffreste-Verwertungsmöglichkeit und wenn du ein bisschen auf die Suche gehst, findest du bestimmt auch geeignetes Füllmaterial, das auf diese Weise recycelt werden kann. Hier sind Nicht-Lebensmittel meiner Meinung nach vorzuziehen. Zumal Reis z.B. anfällig für Feuchtigkeit ist, also schon deshalb nicht unbedingt empfehlenswert. Getreidekörner o.ä. wären da schon eher geeignet und finden sich vielleicht in einem ausgedienten Dinkel- oder Kirschkernkissen? Am besten sind die Dinge, die man irgendwo rumliegen hat und nicht mehr braucht, die klein und schwer genug sind für ein zweites Leben als Nähgewichte-Füllmaterial.

Größenangaben für Schnittbeschwerer gibt es (zumindest bei mir) nicht, da einfach locker drauflos nähen, verschiedene Größen probieren und wenn du irgendwann zu viel von den Dingern gemacht hast, lautet dein nächstes Vorhaben eben: Tasche für Schnittbeschwerer nähen. :)

Vielleicht hab ich dir Lust aufs Nachmachen gemacht, zumal es ein schönes Schnell-&-einfach-Projekt ist. Oder du hast dir längst deine Nähgewichte gemacht? Dann würd ich mich sehr über einen Kommentar – gerne mit Link – freuen, um meine Neugier zu stillen :)

Mondkissen-Bezug

Für das Mondkissen wollte ich noch einen Bezug nähen. Baumwolle am liebsten, weil die gut gewaschen werden kann. Was brauche ich alles?

Der Schnitt

Für die Schnitterstellung nehme ich immer Zeitungen. Die gibts frei Haus, haben bereits ein großes Format und lassen sich notfalls gut zusammenkleben zum Vergrößern.

Ich hab das Kissen auf die Zeitung gelegt, einmal rundum gefahren. Sicherheitshalber den Umfang an der dicksten Stelle gemessen – der Mond-Zuschnitt sollte an der breitesten Stelle die Hälfte davon haben. Wenn der Bezug nicht ganz engangliegend sein soll, darfs auch ein halber Zentimeter mehr sein. Hier habe ich die Rundung noch etwas angepasst. Ausgeschnitten.

Da ich es gerne symmetrisch mag, hab ich den Zuschnitt probehalber auf Hälfte zusammengelegt, hier und da ein bisschen nachgeschnibbelt. Außerdem hab ich die Mitte oben und unten markiert. Diese Markierung wird auf den Stoff übertragen, das erleichtert das Zusammenstecken später zusätzlich.

Der Stoff

Ein gutes Recycling-Projekt nicht nur für das Kissen-Innenleben,  sondern auch für die Hülle. Ich hatte einen ausgedienten Pyjama, dessen Oberteil genau richtig war dafür. Angedacht war ein Hotelverschluss, aber ich konnte eine passende Stelle finden, die es mir erlaubte, die Knöpfung als Verschluss gleich mit einzuarbeiten. Das nenn ich Upcycling total :)

2017_08mondkissenbezug02

Bügeleisen und Stecknadeln

Diese Werkzeuge nenn ich extra, weil eine gute Vorbereitung erstens das Nähen selber sehr erleichtert und zweitens ein gutes Endergebnis ermöglicht.

Zuerst wird der Stoff also gebügelt – dabei lässt sich nochmal ein scharfer Blick auf etwaige Löcher oder sonstige Problemstellen werfen, die ggf. vorher noch in Ordnung gebracht werden müssen. Hier war das die Knopfleiste bzw. der Besatz nach innen. Den habe ich jeweils festgesteppt, so dass hier nix verrutschen kann.

Nun das Schnittmuster auf der linken Seite übertragen – incl. der Markierungen. Mit Nahtzugabe jeweils ausschneiden. Zweimal brauchts das. Rechts auf rechts aufeinanderlegen und mit vielen Stecknadeln (oder Klammern) ordentlich zusammenstecken. Darauf achten, dass kein Knopf auf der Naht zu liegen kommt, den notfalls vorher entfernen :)

Zusammennähen

Nun kanns losgehen: Einmal rundum nähen. Wenden und den Bezug schon mal aufziehen: passt alles? Nichts zu eng oder zu weit? Bezug wieder abziehen und auf links wenden. Wenn alles gepasst hat, die Nahtzugaben ggf. noch etwas zurückschneiden, verzackeln. Und jetzt ist es fertig!

Ein kleines Zwischendurch-Projekt, das sich auch gut als Mitbringsel macht oder – wie hier – dem ehemaligen Lieblingsschlafanzug ein zweites Leben verschafft:

2017_08mondkissenbezug04

Dieser Beitrag ist meinem fünften wp-Bloggeburtstag gewidmet. :)

Zafu – selber machen

Ein Zafu ist ein Meditationskissen oder anders gesagt: ein rundes Bodenkissen. Außerdem ist es eine hervorragende Möglichkeit, Stoffschnippsel unterzubringen. Vor neun Jahren habe ich mein erstes Zafu gemacht, völlig frei Schnauze: Kreis, Kreis, dazwischen ein eingekräuselter Rand mit überlappenden Enden (Hotelverschluss), so dass immer wieder Stoffrestchen nachgefüllt werden können.

Es kam, wie es kommen musste: Inzwischen ist mein Zafu kurz vom Platzen:

2017_07pfuki_altohne

Höchste Zeit, ein neues, etwas größeres zu nähen und da ich im Internet nur wenige, sehr unterschiedliche und fast ausnahmslos englischsprachige Anleitungen gefunden habe, werd ich hier ein bisschen ausführlicher.

Der (Zu-)Schnitt

Wie schon erwähnt, besteht (m)ein Zafu aus zwei Kreisen (Durchmesser je 40 cm) und einem Rand drumrum (Höhe: 34 cm). Der Clou bei dem Rand ist jedoch die Faltung; die ermöglicht das Mitwachsen des Kissens – also geradezu prädestiniert für eine Füllung aus Stoffitzelchen, Wollresten, u.ä.

Die Größenangaben sind natürlich nicht in Stein gemeißelt. Wenn du lieber ein kleineres Kissen anfertigen willst, kannst du die Maße entsprechend anpassen. Genau deshalb gibts weiter unten auch einen Abschnitt „Mathematik“.

Die beiden Kreise mit Nahtzugabe ausschneiden. Für den Rand brauchts einen Streifen von 34 cm Höhe zzgl. Nahtzugabe. Die Länge hängt u.a. von der Faltung ab. Ich habe mich für die 6:4-Variante entschieden:

2017_07pfuki_faltschema

Das bedeutet, Stofflänge zehn Zentimeter ergibt eine fertige Länge von sechs Zentimetern.

2017_07pfuki_faltung

Ein bisschen Mathematik

Kreisumfang = 2 * pi * r. Bei einem Durchmesser von 40 cm entspricht der Radius 20 cm -> 2 * 3,14 * 20 = 125,6 cm – so lang muss der fertig gefaltete Streifen also sein, damit er einmal um den Kreis passt.

Für sechs Zentimeter fertige Länge werden durch die Faltung zehn Zentimeter Stofflänge verbraucht, das bedeutet:

     6,0 = 10
125,6 = ?

125,6 * 10 = 1256 : 6 = 210 cm Stoffverbrauch für die Faltung. Jetzt brauchts noch eine Überlappung für den Hotelverschluss von ca. 20 cm:

210 cm + 20 cm = 230 cm muss der Randstreifen lang sein. Bei einer Höhe von 34 cm zzgl. Nahtzugabe. (Auf eine Nahtzugabe für die Versäuberung der beiden kurzen Seiten kann verzichtet werden, da die erste und letzte Falte jeweils weggelassen werden).

Nähen – Teil I

Zunächst eine kurze Seite des Randstreifens schön versäumen. Das ist das Ende, das später sichtbar sein wird. Ich habs zweimal nach innen umgeklappt und zweimal drübergesteppt.

Das andere Ende habe ich nur einmal nach innen geklappt und bin mit dem Zickzick-Zackzack-Stich drüber. Das ist später innenliegend, unsichtbar, soll einfach nur versäubert sein und gut is. :)

Messen & Stecken

Jetzt kommt der langwierige Teil, das Abmessen und Feststecken der Falten. Fang an der schön versäumten Kante an und messe zehn Zentimeter ab – das wird die erste Markierung. Nach sechs Zentimetern die nächste, dann wieder nach vier Zentimetern. 6 cm – 4 cm – 6 cm – 4 cm usw. immer im Wechsel. Dies auf der anderen Kante genau so wiederholen – die Falten sollen in einer Senkrechten liegen.

Die Falte wird jeweils aus dem Vier-Zentimeter-Stück gebildet. Dazu – wie im Bild weiter oben ersichtlich – die Markierung nach den sechs Zentimetern auf die Markierung nach den vier Zentimetern legen, feststecken. Für alle Falten auf beiden Kantenseiten wiederholen. Ist ein bisschen langwierige Fleißarbeit, die sich aber lohnt. Die letzte Falte am „unschönen“ Ende kann weggelassen werden, das ist später der innenliegende Teil.

(Falls du dein Zafu kleiner machen willst, kannst du eine durchgehende Falte legen bzw. bügeln – aber bitte trotzdem auch feststecken!)

Nun die eine Längsseite mit einem Kreis zusammenstecken. Rechte Seite jeweils nach innen, beginnend am schönen Ende. Lieber ein bisschen mehr Nadeln nehmen, umso gerader wird hinterher die Naht.  Das Ende überlappt den Anfang, so soll es sein, das ist das Prinzip des Hotelverschlusses.

Jetzt darfst du dir einen Cappuccino oder Tee gönnen und dann gehts weiter mit dem zweiten Kreis und der anderen Seite, die genauso zusammengesteckt werden.

Nähen – Teil II

Wenn du alles ordentlich fest- und zusammengesteckt hast, nähst du nun einmal rundum den Kreis mit der Längsseite zusammen. Und wiederholst das mit dem anderen Kreis auf der anderen Kantenseite. Anschließend die Nähte ggf. etwas zurückschneiden und verzackeln. Auch hier verwende ich den Zickzick-Zackzack-Stich, weil der nochmal zusätzlichen Halt gibt.

Die Wende & das Ende

Alle Nadeln entfernt? Keine vergessen? Auch bei der Überlappung nicht? Prima, dann einmal das Innerste nach außen drehen und fertig ist das Zafu:

2017_07pfuki_leer

Naja, noch nicht ganz, das ist ja jetzt nur die Hülle. Klassisch wird ein Zafu mit Kapok befüllt, das sind fluffige Pflanzenfasern. Es gibt auch die Varianten mit Spreu/Spelzen – oder eben mit Stofffitzelchen, die zu klein zur Weiterverarbeitung sind, aber halt doch immer wieder anfallen. Zum Beispiel beim Versäubern von Nähten. Oder Wollrestchen, die sind genauso geeignet.

2017_07pfuki_fuellung

Nach dem „Umzug“ meiner bereits gesammelten Fitzelchen vom alten ins neue Zafu sieht es so aus:

2017_07pfuki_neuohne

Damit wäre eigentlich alles fertig. Aber natürlich kann gerne noch ein Bezug gehäkelt werden – einfach weil der dann waschbar ist. Und auch mal gewechselt werden kann.  Hierzu einen Kreis (spirialig oder achteckig) häkeln, allerdings größer als vierzig Zentimeter. Einen zweiten Kreis in der gleichen Größe häkeln, anschließend weiter in Reihen für die Höhe. Diese aber nicht ganz schließen, sondern eine Öffnung lassen. (Darf ruhig ein Viertel des Umfangs sein). Wenn die gewünschte Höhe erreicht ist, mit dem anderen Kreis zusammennähen oder -häkeln. Ggf. in der Mitte der Öffnung Bänder anbringen zum Zubinden.

2017_07pfuki_neuhuelle

Das ist aber vermutlich eher eine Beschäftigung für hoffentlich noch in weiter Ferne liegenden kalten Winterabende. Ich wünsche euch viel Spaß beim Nähen und wer Spaß an Fummelarbeit hat, kann auch ein Mini-Zafu als Nadelkissen anfertigen.

Wenn ihr Fragen habt oder etwas unklar ist, bitte sagt mir Bescheid, dass ich die Anleitung ändern kann.

Upcycling im Haushalt

Marias Spüllappen wollte ich längst ausprobieren und im Zuge meiner andauernden Räumaktion bin ich unter anderem auch dazu endlich gekommen:

spuellappen

Vorher hatte ich ein kleineres Format genäht, das war mir zu unhandlich. Die hier haben genau die richtige Größe für mich: Ein altes Geschirrtuch wird zu zwei Spültüchern.

Das Geschirrtuch halbieren, auf die Hälfte zusammenlegen (schöne Seite nach innen) und zusammennähen. Ich habe dabei eine Ecke offen gelassen – das geht leichter zum Wenden als eine gerade Kante und ich nähe an dieser Stelle anschließend den Aufhänger dran. Megastylish! *gg*

Vorm Wenden die gesäumten Kanten abschneiden. Daraus wird der Aufhänger gefertigt. Bei der nächsten Upcycling-Aktion werde ich die verzackeln, das habe ich mir hier gespart und fängt natürlich schon zum Ausfransen an. Zum Verzackeln nehme ich statt des einfachen Zick-Zack-Stiches lieber den ZickZick-ZackZack-Stich, der hält besser.

Wenn alles  gewendet und gebügelt ist, wird der Aufhänger im Eck festgesteckt und noch einmal  komplett nah am Rand drübergesteppt, dann sieht das ordentlich aus und hält auch gut.

Maria hats viel besser und ausführlicher beschrieben, guggt euch das bei ihr nochmal an. Es ist eine einfache und sinnvolle Upcycling-Idee; ich habe die Spüllappen inzwischen ausgiebig in Gebrauch und bin total begeistert – bitte nachmachen! :)

Da ich viel am Rumräumen bin, habe ich weder Zeit noch Nerven, mich (auch noch) um Dinge zu kümmern, die nicht damit im Zusammenhang stehen. So trenne ich Pullis auf, anstatt welche zu stricken (ich lese im Internet fast überall „aufribbeln“ – bei uns heißt das „auftrennen“), ich häkle Glaskleidchen für meine Kochlöffel und bastel mir Schubladen aus alten Kartons. Dazu habe auf zauberweib.de schon etwas geschrieben.

Ein Utensilo für meine ebenfalls angewachsene Sammlung an Stricknadeln*) habe ich noch genäht. Ebenfalls Upcycling, funktionell und sieht schön aus. Mit Stefanies Nadelrollen-Variante von gehtnichtgibtsnicht kann meins aber nicht anstinken – das ist wirklich das Modell DeLuxe!

Jedenfalls ist die Räumerei der Grund, warum es hier selbst für meine Verhältnisse sehr ruhig ist. Bei euch lese ich ziemlich regelmäßig mit und so weiß ich, dass ich nicht die einzige bin, die derzeit arg im echten Leben aktiv ist und somit weniger Zeit fürs virtuelle bleibt.

Ich wünsche euch allen einen wundervollen Frühling, habt Spaß am Frühjahrsputz oder womit auch immer ihr beschäftigt seit. Allen Bikerinnen und Bikern wünsche ich eine unfall- und blitzfreie Saison: Kommt gut an und gut wieder heim.

—-
*) Ich habe einen ganzen Abend lang nur Stricknadeln sortiert. Verbogene, unvollständige oder sonst nicht mehr funktionelle Sets und Nadeln habe ich aussortiert. Doppelte, bzw. dreivierfünffache Sorten habe ich gespendet. Alles zusammen gefühlte fünf Kilo, die das Haus wieder verlassen haben. Und trotzdem ist meine Sammlung sehr deutlich gewachsen. Ich glaube nicht, dass ich in diesem Leben nochmal Strick- oder Häkelnadeln kaufen werden muss.