Bohemian Rhapsody

Achtung Spoileralarm! Wer den Film noch nicht gesehen hat, das aber noch nachholen will, sollte nicht weiterlesen, weil ich doch einiges aus dem Film verrate.

Falls du nicht weißt, ob du den Film sehen magst: Blödsinn, natürlich willst du. Und wenn du ungefähr irgendwo zwischen 1965 und 1980 geboren bist, isses sowieso Pflichtprogramm!

Ich weiß, ich bin spät dran – wir haben den Feiertag genutzt, die Bildungslücke endlich zu schließen und ich hab mich soo darauf gefreut. An Queen ist zwischen Mitte der 1970er und Freddies Tod Anfang der 1990er niemand vorbei gekommen. Und so war der Film auch ein bisschen eine Zeitreise in die Vergangenheit für mich. Ein großes Stück des Soundtracks meiner Jugend

Mich hat im Film beeindruckt, wie selbstsicher Queen praktisch von Anfang an waren. Sie wussten, was sie wollten, sie wussten, dass sie es konnten – und sind keine Kompromisse eingegangen.

Zu sehen, wie die Werke zustande kamen, der künstlerische Prozess, der jeweils stattgefunden hat – inklusive der Reibereien, Differenzen, die ganz offensichtlich dazu gehörten – hat mich fasziniert. Später, als Freddie auf „Egotrip“ in München war, wurden ihm Musiker zugeteilt, die seine Anweisungen befolgten und alles machten, was er wollte und sagte. Als er wieder zu seiner „Familie“ zurückgekehrt war, meinte er, genau das hätte nicht funktioniert. Eben diese Unstimmigkeiten, dieses Sich-zusammen-raufen hätte ihm gefehlt. Freddie Mercury mag die Galeonsfigur von Queen (gewesen) sein – aber Queen sind nur als Gesamtpaket brillant.

Genau das macht die Band aus. Sinngemäß hieß es am Anfang des Films, dass sie vier Außenseiter wären, die untereinander gar nichts miteinander zu tun haben, eigentlich. Die sich aber zu dem Zweck zusammenfinden, um Musik für (all die anderen) Außenseiter zu machen. Queen ist eine Wahlfamilie und sowas von Familie! Sie streiten und raufen sich zusammen. Sie ergänzen sich, respektieren einander und ziehen sich gegenseitig auf.

Achja, und von Anfang an legten sie immer Wert darauf, dass sie Queen wären. Es gibt also keinen Anführer, keinen Macher, sondern alle sind gleich beteiligt, gleich berechtigt. Erst nach Freddies Rückkehr sind sie dazu übergegangen, die Songs mit Queen zu unterzeichnen – unabhängig davon, wer von den vieren nun die Texte oder Kompositionen verfasst hat.

Klar kann in einem Film niemals alles gezeigt werden. Vermutlich könnte man noch zehn Biografien über Queen und/oder die einzelnen Bandmitglieder drehen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten und Blickwinkeln. Und hätte immer noch nicht alles gezeigt. Daher lässt sich nur sagen: Was irgendwie möglich ist, in einem Film darzustellen, gut darzustellen, haben die hier geschafft. Ich bin sowas von begeistert und diese Begeisterung hatte sich Tage später noch immer nicht gelegt.

Natürlich ist der Film umso aufwühlender, da mit der Musik von Queen mein eigener Lebenslauf eng verbunden ist. Wer von uns kann sich nicht mehr ans Live-Aid-Konzert erinnern? Eben! Überhaupt: Stadion-Rock! Wie überwältigend muss das sein, wenn du auf der Bühne stehst und da sind mehrere Zehntausende Menschen um eure Musik zu hören, euch zu sehen, mit euch zu feiern? Wenn all diese Menschen einen gigantischen Chor bilden und eure Lieder singen? Was fühlt man da auf der Bühne? Da muss man doch platzen, vor lauter Gefühls-Overflow, oder?

Tja und das sind alles so viele einzelne Aspekte, Schnippsel, die mich durch den Film berührt haben, die mich aufgewühlt haben und mich nach wie vor durchwirbelt haben. Wie Blätter in einem Herbststurm :)

Und dabei hab ich noch nicht einmal die Hälfte von dem geschrieben, was ich eigentlich alles vor hatte, zu erzählen. Doch bevor ich hier noch stundenlang weiter in die Tasten haue und doch nicht das rüber bringen kann, was mich so überwältigt und fasziniert hat an dem Film: Schaut ihn euch an! Schaut euch Bohemian Rhapsody unbedingt an. Ihr werdets sicher nicht bereuen. Wenn ihr mit „Queen“ nicht nur die englische Königin, sondern auch eine britische Rockband verbindet – schauts euch an!

Und an alle, die den Film schon (längst, vermutlich) gesehen haben: Wart ihr auch so berührt? Gings euch ähnlich wie mir?

Eine außergewöhnliche Band, die mit einem außergewöhnlichen Film geehrt wurde. Lässt sich nicht anders sagen.

Eins interessiert mich aber noch – wie ist das heutzutage auf Konzerten? Kommt da überhaupt noch Stimmung auf? Dieses Feeling? Ist man heutzutage noch auf einem Konzert? So wirklich DA, im Hier und Jetzt, im Augenblick? Geht das überhaupt noch oder ist jede/r nur darauf bedacht, dass das Smartphone alles aufnimmt und ob der Winkel dort drüben nicht vielleicht besser wäre und wie man den Ton noch ein bisschen besser einfangen könnte…?

2 Antworten zu “Bohemian Rhapsody

  1. Hallo Zaubsi,

    ich fand den Film auch Klasse, hatte allerdings schon vor ein paar Jahren eine tollen Doku über Queen gesehen, die dem Film inhaltlich sehr ähnelte. Wie es heute auf großen Konzerten ist von wegen Smartphone nach oben halten, weiß ich nicht; auf den kleineren Konzerten hier auf dem Land, bei denen ich zugegen bin, hält es sich dankenswerterweise noch in Grenzen :-).

    LG
    Bodecea

    Gefällt 1 Person

  2. Stimmt, da hat das Landleben durchaus Vorteile :) Bei den offiziellen Videos, die auch auch einen Blick ins Publikum zeigen, denk ich mir auch immer, dass mit nem Smartphone-Licht statt nem Feuerzeug doch auch keine richtige Stimmung mehr aufkommt… oder?

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