Datensicherung unter Linux

Unter Windows hatte sich die Systemsicherung als Partitions-Image bewährt – auf die Art hatte ich immer ein sauberes Windows, die Vermüllung über die Jahre hielt sich so in Grenzen. Meine eigenen Dateien waren (und sind) auf einer gesonderten Datenpartition. Die Anwenderdaten (z.B. Profile-Ordner von Browser und Mail-Programm) habe ich mir zusammengesucht und turnusmäßig einzeln gesichert.

Mit Linux konnte ich mein Sicherungskonzept nun neu überdenken. So gab es zwar schon in Windows die Möglichkeit, Systemwiederherstellungspunkte zu erstellen – besonders vertrauenserweckend erschien mir diese Methode als „Sicherung“ aber nie. Jedenfalls nicht unter Windows. Unter Linux hab ich viel ausprobiert, überlegt, verworfen, neu durchdacht und habe nun folgendes Sicherungskonzept:

Sicherung des Systems:

Diese „Arbeit“ nimmt mir Timeshift ab. Das Programm ist unter LinuxMint standardmäßig dabei. Es erstellt regelmäßig „Schnappschüsse“ des Systems, wobei es sehr ressourcenschonend vorgeht. Die Häufigkeit und Anzahl der archivierten Sicherungen kann voll und ganz den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden. So werden bei mir tägliche und wöchentliche Schnappschüsse erstellt, von denen ich jeweils sechs bzw. drei aufbewahre. Meine Festplatte ist groß genug, so dass ich mir für diese Sicherungen eine eigene Partition eingerichtet habe. Vor größeren Systemeingriffen kann manuell ein Schnappschuss angefertigt werden und wenn dann doch was bei der „Operation“ schiefgegangen ist, wird das System einfach auf den letzten Stand „zurückgedreht“. Einfacher gehts nicht.

Extra-Sicherung mit dd:

Ich gebe zu, es ist ein großer Teil Gewohnheit dabei, aber zu wissen, dass die komplette Systempartition im Fall des (Totalaus-)Falles schwubbdiwubbs wiederhergestellt werden kann, beruhigt mich ungemein. Auch hier hab ich einiges ausprobiert und die beste Methode (Handhabung, Zeit- und Platzbedarf) ist der Konsolenbefehl „dd“. Das funktioniert nicht aus dem laufenden System heraus, es muss also über einen Live-Stick gebootet werden. Ein Terminal öffnen und die gewünschte Partition (z.B. sda2) an den gewünschten Ort sichern – das Ganze dabei gleich noch komprimieren, alles in einem Rutsch:

sudo dd if=/dev/sda2 | gzip > /media/hugo/images/sda2.img.gz

Root-Passwort angeben, je nach Größe der Partition ca. eine Viertelstunde warten (nicht die Geduld verlieren, einfach schon mal Tee kochen), und sobald der $-Prompt wieder erscheint, ist das Image fertig.  Sollte der schlimmste Fall eintreten, dass der Rechner nicht mehr hochfährt, dass sich praktisch gar nichts mehr tut: Erneut vom Live-Stick booten, Terminal öffnen und alles wiederherstellen:

gzip -cd /media/hugo/images/sda2.img.gz | sudo dd of=/dev/sda2

Allerdings ist ein solcher Totalausfall eher sehr selten und für die meisten Reparaturfälle reicht es aus, im Recovery-Modus hochzufahren.

Extra-Tipp: Vor der (dd-)Image-Erstellung Download-Ordner, Browser-Cache und Papierkorb leeren – damit lässt sich unter Umständen eine Menge an Zeit und Platz einsparen.

Sicherung der Anwenderdaten:

Damit sind alle benutzerInnenspezifische Einstellungen gemeint – Browser-Profil samt Lesezeichen, Email-Accounts samt Mails, eigene Vorlagen, Menüanpassungen, usw. All das, was unter Windows mühsam zusammengesammelt werden muss, wird unter Linux schön ordentlich innerhalb des eigenen Home-Verzeichnisses (teilweise versteckt) abgelegt und kann somit auch „in einem Rutsch“ gesichert werden.

Hierfür gibt es das Datensicherungswerkzeug, ebenfalls standardmäßig an Bord. Es können Verzeichnisse ausgeschlossen werden; versteckte Ordner müssen bei Bedarf explizit eingeschlossen werden. Und dann legt das Programm auch gleich los und tut seine Dienste.

Ein nettes Extra ist die Möglichkeit, eine Liste der nachträglich installierten Programme zu sichern. Im Fall des Falles können damit alle auf einmal wieder nachinstalliert werden. Allerdings bezieht sich das nur auf jene aus der Anwendungsverwaltung, nicht auf „per Hand“-Installationen (z.B. als deb-Paket).

Tipp: Logbuch führen!

Eine einfache Text-Datei ist dafür völlig ausreichend, sie muss nicht schön, nicht supertoll formatiert sein, sie muss nur zuverlässig geführt werden, diese Logdatei. Darin wird einfach mit Datum vermerkt, welche Änderungen am System vorgenommen werden. Also z.B. welche Programme installiert wurden. Wenn dafür außerhalb der Anwendungsverwaltung z.B. ein deb-Paket heruntergeladen wurde, dieses samt URL ebenfalls angeben.

Sämtliche vorgenommenen Anpassungen – vor allem die kleinen, die so gern vergessen werden! – sollten dokumentiert werden: Das hilft einerseits bei der Fehlersuche („Was genau hab ich gemacht, und warum hat das System jetzt seinen Geist aufgegeben?“) andererseits bei der Wiederherstellung oder Anpassung bei einer Neuinstallation („Wo war denn gleich noch der Schalter mit der Schriftgrößenanpassung?“). Je penibler (aber bitte kurz und prägnant) ihr dieses Logbuch führt, desto mehr werdet ihr es zu schätzen wissen. Manche Fragen/Probleme tauchen ja auch mal öfter auf – da ist es gut, wenn man weiß, wo man spicken kann :)

Sicherung der Daten:

Hier sind nun endlich die eigenen Daten gemeint: Fotos, Bilder, Videos, Kontoauszüge, Rechnungen, Bücher, Musik, Haushaltsplan, Homepages – eben alles, was man selber auf der Festplatte ablegt. Bei mir passiert das eigentlich schon immer auf einer eigenen Datenpartition, so dass ein Systemausfall zumindest keinen Datenverlust bedeutet. Dennoch werden auch diese Dateien regelmäßig auf einer externen Festplatte gesichert. Dazu benutze ich das Programm LuckyBackup, welches über die Anwendungsverwaltung bequem installiert werden kann. Hier können Profile und Aufgaben erstellt werden, es gibt sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, die keine Wünsche offenlassen. Es werden in Normalfall jeweils nur die neuen bzw. geänderten Dateien kopiert, so dass die Sicherung relativ zügig vonstatten geht.

Alternativen wären hier z.B. Grsync oder FreeFileSync – einfach mal anschauen, welches sympathischer ist. Bei mir ist es eben LuckyBackup.

In meinem Terminkalender (ReminderFox-Erweiterung für Thunderbird) habe ich mir turnusmäßig eingetragen, wann wieder eine Sicherung ansteht, wobei die Anwenderdaten (Home-Verzeichnis) häufiger dran sind als die Datenpartition. Welche Rhythmen da jeweils die geeigneten sind, muss jedeR für sich selber rausfinden: Das ausgeklügelste Sicherungskonzept nutzt nichts, wenn es nicht auch tatsächlich durchgeführt wird. Also lieber realistisch alle sechs oder acht Wochen eine Sicherung durchführen, als einen 14-tätigen Turnus andenken! :)

Wie ist das bei euch: Habt ihr ein Sicherungskonzept? Unter Linux oder Windows? Sichert ihr nur eure eigenen Daten oder habt ihr euch darüber noch überhaupt keine Gedanken gemacht? Würde mich alles interessieren!

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