Tagesarchiv: 24. Februar 2019

Radieschen im Winter?

In den letzten Wochen ist es mir verstärkt aufgefallen, dass überall Radieschen angeboten werden. Nun sind gerade die – genauso wie Erdbeeren – für mich absolutes Saisongemüse. Sprich: Um diese Jahreszeit einfach nicht erhältlich. 

Leider werden sie wohl auch gekauft, obwohl sie nicht wirklich schmackhaft sind, wie ich mir anhören durfte (warum kauft ihr die dann überhaupt und unterstützt dieses unsinnige Geschäftsgebahren noch???). Noch schlimmer ist es meistens so im März, dass bereits jetzt schon wieder „Erdbeeren“ aus irgendwo in Europa (bestenfalls) angeboten werden, riesengroß, knallrot – und absolut geschmacksfrei. Dass diese Zuchtbollern nicht schmecken können, ist denen doch schon von weitem anzusehen, finde ich. Erdbeeren werden vom Feld gepflückt, wenn schon nicht aus dem eigenen Garten. 

Was ich mich frage: Wieso können Birnen aus Chile und/oder Tomaten im Winter „bio“ sein? Was gerade keine Saison hat bzw. von weit her angeliefert werden muss, kann durch den massiven Energieverbrauch von Lagerung/Transport doch gar nicht mehr bio sein? Zumindest nicht „öko“. Vermutlich ist das mein Denkfehler. Dass ich öko und bio verwechsle bzw. gleichsetze. Aus ökonomischer Sicht natürlich völlig absurd… ;(

Die Klima-Bilanz unserer Lebensmittel – in diesem Artikel vom Abendblatt wird das Thema gut aufgegriffen und beleuchtet: Es ist nicht so einfach mit der Öko-Bio-Bilanz. So wird bei Bioprodukten an Chemie gespart, dafür muss aber öfter rausgefahren und gebiodüngt werden. Also zusätzliche Belastung durch den Treibstoff des Traktors. Auch ist der Ertrag pro Fläche bei Bioprodukten naturgemäß (!) weniger als bei der konventionellen Landwirtschaft. 

Dennoch ist bio auf jeden Fall vorzuziehen, da wir auf den Erhalt des fruchtbaren Bodens angewiesen sind. Sonst wächst irgendwann nämlich gar nichts mehr. Dazu gehört auch, den Fleischkonsum zu reduzieren, da zu viel Gülle ebenfalls ein Problem für den Boden ist. 

Hier verstehe ich nicht, weshalb riesige Mastbetriebe genehmigt werden (warum das überhaupt möglich ist, dass der Mensch so dermaßen frei von Anstand und Respekt den Tieren gegenüber ist), ohne dass der Betreiber auch über die entsprechende Fläche zur Ausbringung der Gülle verfügt. Sollte das nicht Bedingung sein? Mal einfach so logisch vor mich hingedacht? 

Was mich in dem o.g. Artikel auch verwundert hat: Es gibt ökologischen Landbau unterm Folientunnel? Sogar wenn dieser beheizt ist (oder im beheizten Treibhaus)? Wie kann das dann noch öko sein? 

Ich esse an sich gerne Fleisch, nur auf Geflügel verzichte ich schon seit Jahren, wegen der unzumutbaren Lebensbedingungen. Das kann ich nicht unterstützen. Und ich brauche keinesfalls jeden Tag Fleisch – es lebe der Sonntagsbraten! 

Blöd nur, dass ich für Käse noch keinen wirklich guten Ersatz gefunden habe. Hier bin ich schon lange auf der Suche und auch am Selber-Experimentieren. Weil weitgehend auf Fleisch verzichten, aber Käse essen, ist irgendwie ja auch scheinheilig…

Nun bin ich von meinem Anfangsthema ziemlich abgeschweift und doch hängt alles zusammen. Es geht darum, genau hinzusehen, was man isst, wo die Nahrung herkommt, unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben, wie viel Gift, wie viel Wasser verbraucht wurde – und irgendwie in dem ganzen Label-Dschungel noch durchzublicken. 

Mein Tipp: Gehts nacheinander an. Alles auf einmal komplett umzukrempeln wird nicht funktionieren. Sich für die Problematik zu sensibilisieren, zu informieren und einfach dran zu bleiben, ganz bewusst einzukaufen und ebenso bewusst auf das eine oder andere vielleicht ganz zu verzichten – das ist für mich ein praktikabler Weg. Und ein ständig andauernder Prozess. 

In diesem Sinne: Bleibt dran!

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