OrganspenderIn / OrganempfängerIn

Das Thema Organspende bzw. SpenderIn werden ist aktuell wieder in aller Munde und ich bin für mich immer noch auf keinen grünen Zweig gekommen. Was ich definitiv weiß: Die Sache rumzudrehen und pauschal den Mensch als „Ersatzteillager“ zu betrachten – es sei denn, er/sie widerspricht dem aktiv – geht gar nicht. Da sträubt sich in mir alles! Eine Spende ist etwas, das von sich aus und freiwillig gegeben wird und eben nicht andersrum! Niemand hat das Recht, nach meinem Ableben meinen Körper bzw. Teile davon irgendwie weiterzuverwenden, wenn ich dem nicht vorher ausdrücklich zugestimmt habe. 

Und hier beginnt mein Problem – ein beidseitiges Problem, wenn man so will. Will ich, dass Teile meines Körpers irgendwo anders weiterleben? Kann ich „in Frieden ruhen“ wenn mein Herz andernorts weiterschlägt? Und wer weiß, die Leber in einem zweiten Körper, die Netzhaut in einem dritten … – ehrlich und ernsthaft: Für mich ist das eine sehr gruselige Vorstellung. Atheisten mögen das lächerlich finden – gut so, damit seit ihr ja prädestiniert als Organspender ;-) – ich allerdings finde auf diese Frage keine Antwort.

Das gilt selbstverständlich auch für die andere Seite: Bislang wird ja offenbar davon ausgegangen, dass jedeR automatisch auch OrganempfängerIn sein will. Will ich das? Will ich mit einem Stück eines fremden Körpers in mir leben? Was macht das mit mir? Und was bedeutet „leben“ in dem Zusammenhang überhaupt? Wieviel Qualität hat das Leben dann noch? Diese Frage kann vermutlich kaum beantwortet werden, weil das auf den konkreten Einzelfall ankommt. Welches Organ – Herz bedeutet z.B. Leben oder Tod. Niere bedeutet ggf. jeden zweiten Tag mehrere Stunden Dialyse oder eben keine Dialyse. Lebenszeit, die ich besser/anders verbringen kann.

Was heißt „Leben“, wenn man ein Spenderorgan erhalten hat? – Ein „genau wie vorher, als das eigene Organ noch gesund war“ ja wohl mit Sicherheit nicht. Zumeist müssen Medikamente genommen werden, die nicht ohne sind. So muss oftmals das Immunsystem „heruntergeschraubt“ werden, damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird. Heißt, buchstäblich überall lauert ein erhöhtes Infektionsrisiko, womit sich die Katze am Ende irgendwie selber in den Schwanz beißt – und  dabei geht es nicht um die Frage, ob man fortan vier- statt bislang zweimal im Jahr einen Schnupfen hat. Von den sonstigen Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen wie z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, etc. ganz zu schweigen. Wie viel Lebensqualität tauscht man ein gegen Lebensquantität? Wenn einem das Essen nicht mehr schmeckt bzw. bestimmte Lebensmittel gar nicht mehr gegessen werden dürfen?

Und wie lange „hält“ so ein Organ? Die besten Chancen hat man wohl noch beim Herzen – wenn es das erste Jahr überstanden hat, kann man optimistisch in die Zukunft blicken. Bei anderen Organen ist das zweite Leben nicht sehr dauerhaft.

Die psychischen Auswirkungen kommen noch obendrauf. Das „alte“ Leben ist definitiv Vergangenheit, wenn man durch ein Spenderorgan ein „neues“ Leben geschenkt bekommt. Ich will hier keinerlei Pro- oder Contra-Stimmung vermitteln, sondern teile meine Gedanken mit euch, eben weil ich selber nicht sagen kann, wie ich zu dem Thema stehe: Ich weiß es nicht!

Aus diesem Grund gibt es auch keine weiterführenden Links von mir, nur der Hinweis, doch mal nach „Leben mit Spenderorgan“ zu suchen und jene zu Wort kommen lassen, die wissen, was das bedeutet. Was man gewinnt, was man verliert. Trotz aller Nachteile, die das „neue“ Leben vermutlich mit sich bringt, werden die wenigsten OrganempfängerInnen diesen Schritt bereuen. Oder?

Um das Problem von Angebot und Nachfrage zu verringern, wäre es eine gute Möglichkeit, aus dem OrganSPENDEausweis einen OrganEMPFÄNGER*INausweis zu machen. Sprich: Nur wer OrganspenderIn ist, darf auch selber eins bekommen. Wer also kein fremdes Organ erhalten möchte, könnte mit dieser Regelung ganz entspannt sein. Die Wartelisten werden automatisch kürzer. Als Faustregel kann gelten, dass man mindestens ein Jahr lang gemeldet sein muss, bevor man selber EmpfängerIn werden kann – im Krankenhaus noch schnell den Antrag stellen, wäre ja witzlos. Es geht immerhin – finde ich! – ja auch darum, sich vorher mit dem Thema auseinander zu setzen, heraus zu finden, wie man dazu steht. Und dann halt auch ggf. den Ausweis zu beantragen.

Für Kinder sollten das die Eltern machen, am besten gleich im Zusammenhang mit den Nachuntersuchungen (innerhalb des ersten Lebensjahres oder so sind die, richtig?). Und/oder wenn das Kind in den Kindergarten und/oder in die Schule kommt. Es spricht ja gar nichts dagegen, wenn man immer wieder auf das Thema angesprochen wird!

Wenn das „Kind“ dann seinen eigenen Personalausweis beantragt und/oder wenn es den Führerschein macht und/oder zum 18. Geburtstag wird es selber gefragt, ob es diesen Ausweis haben will oder nicht. Spätestens mit der Volljährigkeit wird der „Kinderausweis“ ungültig und der/die junge Erwachsene muss aktiv werden, wenn er oder sie Organ-EmpfängerIn und somit auch Organ-SpenderIn werden will.

Das fände ich eine gute Lösung. Das Problem, dass jemand „versehentlich“ ein Fremdorgan erhält, der oder die das gar nicht möchte, ist eher ein theoretisches, da dies ja keine Operation ist, die „mal schnell“ in der Notaufnahme vonstatten geht. Trotzdem halte ich es für wichtig, dass jeder Mensch für sich entscheiden muss: Will ich im Fall des Falles ein Fremdorgan erhalten? Wer diese Frage mit „ja“ beantwortet, ist damit automatisch auch OrganspenderIn – fair ist fair.

Wie steht ihr zu dem Thema? Habt ihr ein Organ erhalten und wollt davon erzählen? Ich betone nochmals: Ich mache mir hier meine (wirren) Gedanken, weil ich noch immer nicht weiß, wie ich dazu stehe. Viel zu viele Faktoren spielen eine Rolle. Daher freue ich mich über jeden Kommentar. Und ich hoffe, dass ich dich – genau dich! – anstupsen konnte, dich mit dem Thema zu beschäftigten. Was es für dich bedeutet. Dann habe ich immerhin etwas erreicht! :)

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